«Einfamilienhäuser ein Auslaufmodell?» Flyer zur Tagung des Schweizer Heimatschutzes

Ein Besuch bei den Anständigen

Einfamilienhäuser ein Auslaufmodell? fragte der Schweizerische Heimatschutz an seiner Tagung am 8. Februar 2011. In der Frage liegt viel versteckte Hoffnung, die Antworten allerdings bleiben nüchtern. Das Stichwort heisst «ungebremst», gemeint ist die Ausbreitung der Hüslipest, was Christian Schmid mit den Bildern aus dem Studio Basel vor Augen stellte.

Einfamilienhäuser ein Auslaufmodell? fragte der Schweizerische Heimatschutz an seiner Tagung am 8. Februar 2011. In der Frage liegt viel versteckte Hoffnung, die Antworten allerdings bleiben nüchtern. Das Stichwort heisst «ungebremst», gemeint ist die Ausbreitung der Hüslipest, was Christian Schmid mit den Bildern aus dem Studio Basel vor Augen stellte. Immerhin vom Head Real Estate Analysis kam Unterstützung in Form der Facts of Market. Das Oberhirn der Credit Suisse, Fredy Hasenmaile stellte fest, dass es ein Risiko gebe, da nämlich bei Einfamilienhäusern in der Peripherie, dort wo die Suburbanisierung wütet, in Zukunft Preisnachlässe zu befürchten seien. Nicht aber in den Zentren, wo alle hinwollen und ebensowenig in den Bergen, weil dort die Zweitwohnungen den Markt stützen.

Jeder Architektenvortrag gehorcht dem Schema: Zuerst ewige Wahrheiten, dann das eigene Werk. So auch Emmanuel Rey. Auf Wahres über die Nachhaltigkeit folgten die Taten des Büros Bauart. Der Architekturhistoriker Christoph Schläppi suchte nach den Wurzeln des Hüslis, klar, dass er bei der Villa suburbana vorbeikam. Erhellend war die Entwicklungslinie, die er von der Naturbegeisterung der Aufklärung bis zur heutigen Hüsliideologie zog. Rousseau, den er nicht erwähnte, ist das Modell des Hüslimenschen.

Raimund Rodewald redete über die Landschaftsinitiative, aber noch über viel mehr, es war eine Tour d’horizon mit Bildern, die nicht alle zum gleichen Panorama gehörten. Francesco della Casa, der Kantonsbaumeister in Genf wird, stellte den islamischen Hofhaustyp als Alternative zum Hüsli vor. Leider liess er die Probe aufs Exempel weg und zeigte nicht, wie er sich den Umbau eines Hüsliquartiers zur Kasbah vorstellt. Ariane Widmer, vom Wakkerpreis bengalisch beleuchtet, berichtete über das SDOL, das Schema Directeur de l’Ouest de Lausanne. Wehmütig vernahm der Stadtwanderer, dass es im Waadtland eine Mehrwertabschöpfung gibt. Den Schluss machten Nicole Wirz und Regula Küng, die die Anstrengungen Basels schilderten, die Familien in der Stadt zu halten.

Worüber man (fast) nicht sprach ist sehr bezeichnend: Wie über die Steuern die Zersiedlung gefördert wird. Wie die Hüsli massiv subventioniert werden, Stichwort Erschliessung und Infrastruktur. Schiesslich noch machte die alte Heimatschutzkämpferin Beate Schnitter auf die zentrale Macht im Hüsligeschäft aufmerksam, das Eigentum. Peinliche Stille im Saal, als hätte sie einen unanständigen Witz erzählt. Es sind sehr anständige Menschen beim Heimatschutz, dem Stadtwanderer sind sie zu wenig radikal.

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