Vernissage in der Wettbewerbsausstellung am letzten Dienstag

Dübenholz und Düland

Aufforsten auf der Landebahn? Der Ideenwettbewerb zum Flugplatz Dübendorf birgt ziemlich Zündstoff.

Flugplatz Dübendorf - wir reden von der grössten und wertvollsten Landreserve der Schweiz. Was bisher an Planungen vorliegt, wird der Bedeutung dieser Reserve nicht oder zu wenig gerecht. Hochparterre hat mehrmals berichtet und kommentiert. Nun ist der Ideenwettbewerb abgeschlossen, den Thom Held und Jürg Minsch mit ihrem Projekt «Denkallmend» lancierten. Am Dienstag war Vernissage der Projektausstellung, noch bis am Sonntag ist sie zu sehen. Was ist herausgekommen an Ideen? Was ist neu?

Das Siegerprojekt schlägt vor, das Areal aufzuforsten. «Dübenholz» bedient als «urbaner Infrastrukturwald» die Holzwirtschaft, speichert CO2 und Trinkwasser und wird zum Spazier- und Lehrwald, offen für alle. Wald braucht Zeit zum Wachsen. Das ist kein Schnellschuss, wir müssen den Wald wollen. Aber Wald lässt sich auch wieder abholzen, dann, wenn die gute Idee, das richtige Bedürfnis da ist. Wald ist eine vielfältige und sinnvolle Zwischennutzung. Und noch etwas besticht: Forsten wir 2,5 Quadratkilometer Dübenholz auf, können wir andernorts roden, wo es raum- und stadtplanerisch sinnvoll ist. (Verfasser: ARGE OPSYS, Pierre Bélanger, Boston, und Stephan Hausheer und Hana Disch Architekten, Zürich)

Zweitplatziert ist «Moment der Klarheit». Das Projekt wagt mitten in der Agglomeration Zürich die Leere. Das Areal soll ausgelegt werden mit spiegelnden Platten und so den Himmel auf die Erde holen. Einfach Raum. Eine befreiende und wunderschöne Vorstellung, wie der Bildhauer Jürg Altherr in seiner Laudatio sagte. Das ist natürlich vollkommen unrealistisch. Ist es das wirklich? (Verfasser: Thomas Friberg, Architekt, Zürich)

Drittplatziert sind ex aequo «Düland» und «Flex». «Düland» schafft Raum für das Andere, eine Block-umrandete Insel der Seeligen, der kleine Bruder, der wagt und scheitern darf neben der perfektionistischen Schweiz. Freiheit räumlich und sozial, angereichert mit einem süffigen Manifest. (Verfasser: Stefan Heinzer + Mathias Steiger Architekten, Winterthur)
«Flex» will eine demokratische und temporäre Nutzung für das Flugplatz Land. Die Parzellen stehen allen zur Verfügung, 10 Jahre lang. Gebaut werden darf nur, wo eine Nachbarparzelle schon bebaut ist. So wandert ein unvorhersehbares und doch kontrolliertes Siedlungsmuster über das Areal. (Verfasser: Kathrin Krell, Frieder Kaiser, Beni Barmet, Sebastian Güttinger + Stefan Böhi, Studierende HSR Rapperswil)

Vier Ideen von 52. Architektonisch hat es kaum Weitflüge darunter, auch wenn die meisten Teilnehmer Architektinnen und Architekten waren. Es lockte mehr das Gedankenexperiment zu Raum und Nutzung als jenes zur Form.

Das Siegerprojekt ist mehr als ein Gedankenflug. Für «Dübenholz» könnten die Anlieger offen sein, die Bevölkerung, die Meinungsmacher. Wald ist sympathisch, brauchbar, bringt Arbeitsplätze, und er verbaut nichts. Wald ist mehrheitsfähig. Den Traum vom grossen Steuergeld müssen die Gemeinden, in deren Grenzen das Areal liegt, zwar im Wald begraben. Das müssen sie aber sowieso, denn Dübendorf gehört allen. 

– Hochparterre 11/2011 stellt die vier Preisträger in Wort und Bild vor (erscheint am 7. November).

– Wettbewerbsausstellung: Noch bis Sonntag, 16. Oktober, im Theater der Künste, Zürich, Gessnerallee 9, Bühne A. Informationen, Öffnungszeiten und Veranstaltungen diese Woche: Denk-Allmend-Flyer

– Sendung zur Denkallmend heute Donnerstag: Radio DRS1, 20:03 Uhr (public listening in der Ausstellung): http://www.drs1.ch

– Alle Informationen zum Wettbewerb und zur Denkallmend: http://www.denkallmend.ch/flugplatz/

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