Mit diesem Inserat sucht der Kanton Bern einen neuen Kantonsbaumeister.

Die ganzheitliche Röchelsprache

Der Kanton Bern sucht per Stellenanzeige einen neuen Kantonsbaumeister. Benedikt Loderer unterzieht die Annconce einer sprachlichen Analyse und kommt zu Schluss: «Das Stelleninserat ist ein Juwel der Kopfjägerprosa, ein Vorzeigebeispiel der gehobenen Röchelsprache, kurz der administrativen Salbaderei.»

Gesucht wird ein Prachtsgügger. Ein Mann oder eine Frau, die «einen erstklassigen Leistungs- und Erfolgsausweis als Führungspersönlichkeit im Bauumfeld» verfügt, der in der Privatwirtschaft und/oder in der Verwaltung erworben wurde. Vorher hat das Wundertier noch Architektur studiert und vertiefte betriebswirtschaftliche Weiterbildung getrieben, was zu «fundierten Kenntnissen und Erfahrung im Bau-, Planungs- und Immobilienwesen» führte, folgerichtig das «ausgeprägte Sensorium für politische Zusammenhänge» weckte und selbstverständlich auch das unternehmerische Denken förderte. Damit ausgerüstet bringt er oder sie «Innovation im Sinne einer ganzheitlichen, kulturbewussten und nachhaltigen Immobiliennutzung ein», was befähigt «die Zukunft des Kantons Bern massgeblich und sichtbar mitzugestalten». Wer das alles kann, soll sich melden. Der Regierungsrat sucht einen neuen Kantonsbaumeister.Alle Reizwörter des zeitgenössischen Managements sind im Stelleninserat versammelt: nachhaltig, umfassend, interdisziplinär,  bereichsübergreifend, glaubwürdig, strategisch, unternehmerisch, kulturbewusst, kompetent, motiviert,  und - ganz wichtig und nie wegzulassen – ganzheitlich. Bern braucht  einen ganzheitlichen Kantonsbaumeister. Vor kurzem hätte er noch dynamisch sein müssen, doch heute ,da wir unterdessen so nachhaltig geworden sind, ist ganzheitlich doch vertrauenswürdiger. Denn sein «ganzheitliches Verständnis von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt» überzeugt nach innen, den Regierungsrat, das Parlament und die Kantonsverwaltung, wie auch nach aussen die Nutzer, Auftraggeber und die Öffentlichkeit. Es ist wirklich ein unverzeihlicher Schönheitsfehler, dass im Inserat das Wort «Kommunikator» fehlt.Zusammenfassend: Das Stelleninserat ist ein Juwel der Kopfjägerprosa, ein Vorzeigebeispiel der gehobenen Röchelsprache, kurz der administrativen S...
Die ganzheitliche Röchelsprache

Der Kanton Bern sucht per Stellenanzeige einen neuen Kantonsbaumeister. Benedikt Loderer unterzieht die Annconce einer sprachlichen Analyse und kommt zu Schluss: «Das Stelleninserat ist ein Juwel der Kopfjägerprosa, ein Vorzeigebeispiel der gehobenen Röchelsprache, kurz der administrativen Salbaderei.»

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