Dank einer Lenkungsabgabe soll die Energiewende gelingen, meint Hanspeter Guggenbühl.

Die Energiewende lenken

Gestern präsentierte Hanspeter Guggenbühl sein neues Buch zur Energiewende. Er plädiert darin für eine Lenkungsabgabe auf nicht nachwachsenden Primärenergieträgern. NZZ-Redaktor Davide Scruzzi lobte das verständlich geschriebene Buch. Bei der Umsetzung sieht er aber schwarz.

Gestern präsentierte Hanspeter Guggenbühl in Zürich seine neue Publikation zur energetischen Zukunft der Schweiz. «Energiewende – Und wie sie gelingen kann» ist das erste Buch zum Thema, seit der Bundesrat letztes Jahr die «Energiestrategie 2050» vorgelegt hat. Guggenbühl war also schnell wie der Wind. Und er stellt sonnenklare Forderungen auf. «Nicht erneuerbare Energie ist zu billig», schreibt er. Der Journalist plädiert für eine Lenkungsabgabe, die in erster Linie auf nicht nachwachsenden Primärenergieträgern erhoben werden soll. Um die Wirtschaft nicht zu überrumpeln, will er die Abgabe tief ansetzen und dann stufenweise erhöhen. Für Guggenbühl ist klar: «Lenkungsabgaben dürfen keine Steuer sein.» Er will die Einnahmen daher pro Kopf und Arbeitsplatz an Konsumenten und Unternehmen zurückerstatten. So würden Energieverschwender mit einem Öko-Malus bestraft, Sparsame mit einem Öko-Bonus belohnt. Guggenbühl zieht eine Lenkungsabgabe heutigen Subventionen vor, da sie nicht an eine Technik oder Energieträger gebunden ist. Den wichtigsten Vorteil sieht der Journalist in der Wahlfreiheit. Jeder kann selber entscheiden, ob er auf den Preisanstieg mit Steigerung der Energieeffizienz, Umstieg auf erneuerbare Energie oder Suffizienz reagiert. Der Bundesrat ist allerdings skeptisch. Er will einer Energieabgabe auf sämtlichen Energieträgern erst nach 2020 prüfen. Dieser Fahrplan ist laut Guggenbühl verkehrt. «Damit die Energiewende gelingt, muss die Schweiz möglichst schnell eine umfassende Lenkungsabgabe auf Energie einführen.»

NZZ-Redaktor Davide Scruzzi lobte das verständlich und sachlich geschriebene Buch an der Vernissage. In vielen Punkten stimmte er Guggenbühl zu. Bei der Umsetzung sieht er aber schwarz. «Man kann die Menschen nicht aus der Innenstadt in die Agglomeration verbannen und ihnen dann die Rechnung für die Mobilität präsentieren», mahnte er. «Da wird wohl Ursache und Wirkung verwechselt», entgegnete Guggenbühl. Die günstige Energie und die fehlende Raumplanung habe die Bevölkerung doch erst in die Vorstadt vertrieben. Doch für Scruzzi geht es um eine grundsätzlichere Frage. Das helvetische Stadtbild und die dezentrale Siedlungsplanung hätten viel mit dem schweizerischen Staatsverständnis zu tun. Kurz: «Es hängt zu viel Schweiz daran.» Ohnehin funktioniere ein solches System nur im europäischen Verbund, so Scruzzi. Das Argument ziehe nicht, entgegnete Guggenbühl. Die Schweiz warte auf die EU, diese verweise auf die USA, und Amerika bewege sich erst, wenn auch China dabei sei. Guggenbühl hingegen will Nägel mit Köpfen machen und nicht auf die anderen warten. Mit dem Buch hat er dies auch getan. Nun ist die Politik gefragt.

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