Für den Investor steht vor allem der Geldfluss im Zentrum der Stadtentwicklung. (Szene aus dem Videobeitrag «The inflation experiment» auf globalinvestor.credit-suisse.com)

Der globale Investor und der lokale Architekt

Die aktuelle Publikation «Global Investor» der Credit Suisse steht im Zeichen der «urbanen Welt». Dazu lud die Bank gestern Abend Städtebauexperten und Finanzspezialisten zu einem Podiumsgespräch nach Zürich.

Städte sind weltweit am boomen. Bereits heute lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in urbanen Zentren, bis 2050 sollen es 70 Prozent sein. Das rasante Wachstum der Städte verspricht Investoren grosse Gewinne, die Stadtplanung wird für Ökonomen deshalb immer wichtiger. So steht die aktuelle Publikation «Global Investor» der Credit Suisse im Zeichen der «urbanen Welt». Dazu lud die Bank gestern Abend Städtebauexperten und Finanzspezialisten zu einem Podiumsgespräch nach Zürich. Doch viel gemeinsam zu bereden, gab es nicht zwischen den beiden Seiten. Die Ökonomen redeten über Urbanisierung als Triebkraft für Konsum, zeigten Kurven zur Infrastrukturentwicklung und präsentierten Zahlen zum globalen Zementverbrauch. Doch während die Investoren glänzige Augen kriegen ob den Wachstumspotentialen, blicken die Architekten mit gemischten Gefühlen in die urbane Zukunft.

«Was Investoren als Nebeneffekte darstellen, sind die eigentlichen Hauptpunkte», meinte Architekt und Städteplaner Kees Christiaanse. Er warnte davor, dass sich die Städte in monofunktionale, geschlossene Quartiere aufsplitten, «die nur ein Bedürfnis nach mehr Mobilität und Infrastruktur generieren». Doch die kleinräumliche Stadtstruktur ist für einen global agierenden Investor nur von Bedeutung, wenn er einen langfristigen Zeithorizont hat. Das schnelle Geld ist meist verlockender. Auf lange Sicht aber könne ein offenes und durchmischtes Stadtgefüge den Wert der Immobilien steigern, betonte Christiaanse. «Die soziale Durchmischung aufrecht zu erhalten, wird auch in Zürich eine grosse Herausforderung sein», sagte Patrick Gmür vom Amt für Städtebau. Auf die Entwicklungsgebiete in Zürich West und Nord angesprochen, warnte er vor voreiligen Schlüssen: «Bereits jetzt eine Bilanz zu ziehen, wäre verfrüht.» Ob die kurzsichtigen Investoren mit ihrer Schlussrechnung auch so lange zuwarten werden, ist zu bezweifeln.

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Kommentare

UrbanBrain.hh 14.04.2011 10:36
Es wird sich zeigen, ob die Stadt sich als ein Produkt in der Portfoliostrategie der Investoren darstellen lässt oder nicht. Wenn die Stadtentwicklung in die Hände der Kapitalgesellschaften gelegt wird, werden sich unsere Städte mehrheitlich zu uniformen Gebilden einer gleichmachend Welt entwickelt, wie wir es jetzt schon bereits an den Businessdistrikten unsere Städte sehen. Ob, dadurch die Stadt und letztlich die Stadtgesellschaft darin gerne lebt und sich damit identifizieren kann sowie privat investieren wird, bleibt offen. Vielmehr sollte weiterhin daran gearbeitet werden die Instrumente und Methoden der Stadtentwicklung zu überarbeiten und diese auf die veränderten Situationen vorzubereiten. Denn eine Politik durch Projekte wird nur solange gut gehen, wie mit Projekten Politik gemacht werden kann.
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