Das Startup Kennwerte will dank Algorithmen Baukosten genauer schätzen.

Blockchain-Immobilien und Baukosten-KI

Die Tagung zur digitalen Immobilienwirtschaft in Brugg zeigte, wie Liegenschaften mit Blockchain gehandelt und Baukosten dank KI automatisch geschätzt werden. Estland ist derweil schon weiter.

Ballondrohnen gleiten durch den Raum, jemand fliegt virtuell über Zürich, beim Eingang zapft ein Roboter Softeis: An der Tagung zur digitalen Immobilienwirtschaft in Brugg wird viel Aufhebens gemacht um eine grosse Sache, die Digitalisierung. Leider verhält es sich damit wie mit Wein. Während die einen mit leeren Floskeln um sich werfen, um dazu zu gehören, verdrehen die anderen die Augen, weil sie das Geplapper nicht mehr hören können. Dabei, sind wir ehrlich, wollen am Ende alle die Früchte der Digitalisierung geniessen.

Zum Glück schenkte einer reinen Wein ein. Taavi Kotka war bis vor Kurzem Chief Information Officer von Estland, das nach dem Cyberkrieg mit Russland vor zehn Jahren digital vorprescht. 43 Prozent der Bevölkerung wählen elektronisch, jeder Einwohner ist digital identifizierbar, Ausländer können für 100 Euro eine elektronische Staatsbürgerschaft beantragen. Nach Jahrzehnten der kommunistischen Lethargie will das kleine Land vorne mit dabei sein, wenn eine neue Wirtschaftsordnung entsteht. In der Schweiz ist der Druck, sich zu verändern, geringer. Wohlstand macht träge. «Die Schweiz wird darum bei der Digitalisierung kein Vorreiter sein», sagte Kotka und lächelte ins Publikum. Derweil pries er die Vorteile der digitalen Transparenz und prophezeite in den nächsten zwei Jahren einen Markt für Daten. Für 100 Franken kann ich dann zum Beispiel mein Bewegungsprofil teilen, wenn ich das will.

Dass die Schweiz nicht ganz abgehängt ist, zeigten die Workshops am Nachmittag. Daniel Hunziker von der Kennwerte AG erklärte, wie die Baukostenschätzung dank künstlicher Intelligenz genauer und bequemer werden soll. Zwei Architekten haben das Startup vor sechs Jahren gegründet, nun haben sie genug Daten gesammelt, um ihr Produkt am Markt zu testen. Der Algorithmus bewertet über 7000 Kriterien, die von der Geschossfläche bis zur Komplexität der Gebäudeform reichen. Individuelle Faktoren können manuell erfasst werden, etwa eine Sauna oder Eigenleistungen des Bauherren. Am Schluss spuckt der Computer eine Kostenschätzung aus, die dank der Durchschnittswerte in der Datenbank präziser als bisher sein sollen.

Bastiaan Don von der Firma Blockimmo glaubt an Blockchain, auch nachdem der Bitcoinkurs eingebrochen ist. Die Technologie dahinter hat er für die Immobilienbranche adaptiert. Anleger können damit mit Teilen einer Immobilie handeln, ohne dass sie von einem zentralen System abhängig sind. Die Immobilienfachleute im Publikum stellten neugierig Fragen. Eine konnte Bastiaan Don aber nicht mit Ja beantworten: Nein, mit dem Grundbuch ist das Verfahren noch nicht kompatibel. «Der politische Prozess dauert noch drei bis fünf Jahre.» Womit Digitalprediger Taavi Kotka am Schluss doch noch recht bekam.

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