Sabine Wolf wird als letzte Chefredaktorin von Anthos in die Geschichte eingehen

Anthos geht unter

Zu wenig Inserate, zu wenig Leserinnen: Anthos, die Zeitschrift für Landschaftsarchitektur, wird eingestellt. Ein Verlust.

Seit 1962 hat die Zeitschrift Anthos die Arbeit der Landschaftsarchitektinnen und -architekten viermal jährlich sichtbar gemacht – an ihrer Theorie gearbeitet, Weltluft in die Schweizer Gärten geholt und den Beruf von Mendrisio bis Carouge beieinander gehalten. Jedes Heft war zweisprachig. Und nun ist fertig lustig – die Nummer 1/2020 wird die letzte sein. Nach fast sechzig Jahren. 

Gut gemacht mit wenig Geld

Ich las das Heft gerne in den letzten dreissig Jahren, steuerte ab und zu einen Essay bei, damit die Welt sehe, dass es Landschaft und Landschafsarchitektur auch in Graubünden gibt. Sabine Wolf, Dania Genini und Zélie Schaller haben mit bescheidenem Budget in den letzten Jahren überraschende Hefte zusammengestellt, immer einem Thema nach – das neuste über «Stadtwälder». Die nächsten über «Bauherrschaften», «Plätze» und «Naturschutz». An den drei Frauen liegt es gewiss nicht, dass die Zeitschrift nun untergeht. Es ist der Inserateschwund – in den letzten Heften stand noch eine Hand voll, und ausser den Pflichtabos des Bundes für Landschaftsarchitektinnen und -architekten (BSLA) hat das Heft zu wenige Leserinnen. Mittel für die Verlagsarbeit fehlten seit längerem. Und es war ein offenes Geheimnis, dass der kleine Verband gelegentlich überfordert werden würde, ein wachsendes Defizit auf die Länge zu tragen. Hochparterre hat mitgelitten, mitgerechnet, mitüberlegt und dem Heft in seiner alten Form auch keine Zuversicht geben können. 

Gute Website

So zieht der Vorstand des BSLA nun den Stecker und will eine «umfassende Kommunikationsstrategie» aufbauen, die die «unterschiedlichen Informationsbedürfnisse und Kanäle effizient und zielgerichtet bedient». Das wird die Konsulenten und Köfferliböcke in der Medienbranche in Bewegung setzen. Mich stimmt solches Tun skeptisch; ich freue mich umso mehr am «Journal», das Peter Wullschleger, der Geschäftsführer des BSLA, auf dem Netz unterhält, und viel Wissenswertes über Landschaft zu lesen und zu schauen anbietet. Und ich freue mich auch an der Edition Hochparterre, in der im Herbst der erst Band der neuen Reihe «Archiv der Gegenwart – Monographien zu Schweizer Landschaftsarchitekten» erscheinen wird.
 

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