Adrian Schmids letzte Rede als Geschäftsführer des Heimatschutzes Fotos: Myriam Streiff

Adrian tritt ab

Adrian Schmid hat sich nach zehn Jahren als Geschäftsleiter des Schweizer Heimatschutzes verabschiedet. Politik und Verlagshaus sind zwei Marksteine seiner gut zehnjährigen Amtsdauer.

Aperos sind Bedeutungsmesser – je mehr Leute kommen, umso bedeutender die Person. Also ist Adrian Schmid eine bedeutende Person, denn das Parterre der Villa Patumbah im Zürcher Seefeld war bumsvoller Gäste als er gestern nach dem letzten Tag seiner Arbeit als Geschäftsleiter des Schweizer Heimatschutzes zu Wein, Häppchen und Zusammensitzen bat. Die Villa ist seit gut zehn Jahren das Zentrum des Schweizer Heimatschutzes. Auch nach gut zehn Jahren geht Schmid und also ist der Aufbau des Ortes in diesem Zauberhaus in einer prächtigen Gartenanlage eines seiner Werke. Eingefädelt hat das neue Haus zwar noch Schmids Vorgänger Philipp Maurer, Schmid aber realisierte es und baute die Geschäftsstelle des Heimatschutzes kräftig aus – er professionalisierte die wichtigste Institution der Baukultur als politische Zentrale, als Verlag und als Helferin für die übers Land verstreuten, ganz unterschiedlich aufgestellten kantonalen Verbände. Nebst tüchtiger Organisation, zu der auch das langwierige Revidieren der Statuten gehörte, setzte Schmid zwei Marksteine. 

Politik

Schmid ist ein politischer Mensch, ausgebildet als führender Aktivist seinerzeit bei der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee, grüner Politiker später, lief er als Heimatschützer zu Form auf, wenn er mit Communiqués Entscheide tadelte, Strippen ziehend Entscheide zu kippen versuchte und lustvoll an den dicken Brettern vor den Köpfen derer bohrte, die im nationalen Parlament sich gegen Baukultur stark machten. Gerne murmelte er – «off the records, gäll» – wie er im Wandelgang des Bundeshauses diesem Politiker ins Gewissen geredet und in einem Sitzungszimmer mit jenen wichtige Entscheide zu zimmern habe. Was wer wie wo bewirkt auf solchen Touren, weiss man nie – was aber feststeht: Adrian Schmid hat Gehör für den Heimatschutz geschaffen und er zog die Register so, dass der Generalabbruch der Baukultur und des Denkmals, wie ihn bürgerliche Politiker versuchen, stockt und harzt. Nicht nur, aber auch wegen ihm. Zu solcher Arbeit gehört natürlich auch die Arbeit mit Referenden und Initiativen – das neue Raumplanungsgesetz hat der Heimatschutz im Verbund mit den Umweltschutzverbänden ebenso erfolgreich verteidigt, wie er die zwei aktuellen Landschaftsinitiativen mitkonzipiert und mit aufgegleist hat. 

Verlag

Zur politischen Arbeit gehört – tue Gutes, sprich darüber und trommle unentwegt. Adrian Schmid hat mit seinen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitstreitern zum Blühen gebracht, was schon seinem Vorgänger Maurer ein Anliegen war. Die Heimatschutz-Zeitschrift ist eine wichtige und gut gemachte Stimme der Baukultur, kein Vereinsblättli. Eine Reihe Publikationen, so die handlichen Führer zu Hotels, zu Bädern, zu Kaffeehäusern und so weiter, geben dem Heimatschutz Format und Gesicht – und sie sind meistens Beststeller. Der Heimatschutz ist heute auch ein Verlagshaus. 

Bemerkenswert auch die Stiftung «Ferien im Baudenkmal», die einerseits beste Kommunikation für die Schönheit der traditionellen Baukultur ist und anderseits ein attraktives Reisebüro – man kann im schön hergerichteten Baudenkmal schöne Ferien machen. Schliesslich war Schmid massgeblich daran beteiligt, den Wakkerpreis vom «geblümelten Tröglein» zu einem Diskurs zu machen näher an den Problemen der Zeit. Auch das war angelegt, er hat es mit den Seinen herzhaft vorangebracht. Die Dorfplanung von Fläsch hob der Wakkerpreis ebenso aufs Tablett wie die planerischen Entwicklungen in Sursee und schliesslich gar das Kulturprojekt «Origen» in der Surses im Kanton Graubünden. Aufbruch also auch hier – kurz, Schmid nahm vieles auf, regte vieles an, setzte viele Ideen aber auch um. Möglich war das dank seiner guten Leute in der Villa Patumbah und dank der Kooperation mit dem bis 2017 amtenden Präsidenten Philippe Biéler. Ein Dreamteam zweier grüner Politiker im Gewand des Heimatschutzes.

Mit grossem Bahnhof verabschiedete sich Adrian Schmid gestern, als Präsident der Stiftung für Demokratie schlägt er schon neue Pfosten ins Feld. 
 

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