«Jurys beachten nur einen Bruchteil der relevanten Themen»

Ein Architekt und ein Naturwissenschaftler engagieren sich für die Landschaft im Architekturwettbewerb. Es brauche mehr Dialog und mehr Spekulation, sagen sie.

Fotos: Urs Steiger

Ein Architekt und ein Naturwissenschaftler engagieren sich für die Landschaft im Architekturwettbewerb. Es brauche mehr Dialog und mehr Spekulation, sagen sie.

Mit seinen landschaftlichen Qualitäten von nationaler Bedeutung ist der Landschafts- und Kulturraum Vierwaldstättersee Teil des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN). Bauvorhaben in dieser Landschaft erfordern darum eine umfassendere Beurteilung, als dies zurzeit geschehe, stellt der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee (LSVV) fest. Urs Steiger und Dieter Geissbühler engagieren sich im LSVV für den Erhalt landschaftlicher Qualitäten und für eine verträgliche bauliche Entwicklung in der Region. Sie stellen die Situation mit ihrem Beitrag ‹Landschaft im Architekturwettbewerb› am Landschaftskongress 2022 in Rapperswil zur Diskussion. Die veranstalteten selektiven Architekturwettbewerbe könnten zu wenig auf die komplexen Landschaftsfragen eingehen, bilanzieren Geissbühler und Steiger und nennen Gründe. Dieter Geissbühler und Urs Steiger, warum beteiligen Sie sich am diesjährigen Landschaftskongress mit einem Beitrag zu Planungsprozessen in der Landschaft? Urs Steiger: In den letzten Jahren wurden in der Region Vierwaldstättersee vermehrt Bauvorschriften gelockert und geltende Nutzungsvorschriften durch Bebauungspläne ersetzt. Dies auch, um qualitativen Fragen besser gerecht zu werden. Architekturwettbewerbe sind wichtiger geworden, der Landschaftsdiskurs hat sich in die Jurierung verschoben. Doch die meist selektiven Wettbewerbe können selten ein umfassend gutes Projekt präsentieren, weil sie die komplexen landschaftlichen Themen nicht genügend berücksichtigen. So werden Überarbeitungen nötig, und es gibt Einsprachen. Der Aufwand für Behörden, Planende und Bauherrschaften steigt. Ein zielführendes Vorgehen erfordert andere Verfahrensarten und viel mehr Dialog, und das bereits bei der Entwicklung der Projekte. Dieter Geissbühler: Das Luzerner Baugesetz enthält die qualitative Beurteilung von Projekten. Dies hat zu einer Zunahme von W...

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