Integration und Eigensinn
in Bondo

Wie fügt man grossmassstäbliche Schutzbauten und einen Dorfkern von nationaler Bedeutung zusammen? Ein Spaziergang rund um das Riesenbecken und über neue Brücken im Bergell.

Fotos: Donat Caduff
In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bergell

Wie fügt man grossmassstäbliche Schutzbauten und einen Dorfkern von nationaler Bedeutung zusammen? Ein Spaziergang rund um das Riesenbecken und über neue Brücken im Bergell.

Die Sonne blendet beim Verlassen des Tunnels. Die Strasse wird zur Brücke und steigt an, als führe sie geradewegs in die Berge Italiens hinein. Links dümpelt ein kleines Rinnsal in einem riesigen Flussbett. Weiter hinten kreuzt eine Brücke, dahinter sind Wald und der dunkle Einschnitt eines Tobels zu sehen, das Nadelöhr des Bondasca-Tals. Über allem thront der Piz Cengalo wie eine Diva. Seinetwegen ist es hier nicht immer so friedlich wie jetzt. Am 23. August 2017 lösten sich dort oben drei Millionen Kubikmeter Fels, töteten acht Berggänger und wälzten sich wenig später als Murgang dicht am Dorfkern von Bondo vorbei. Weitere Murgänge zerstörten Häuser und Brücken, darunter die Verbindung zwischen den Dörfern Promontogno und Bondo sowie die Kantonsstrasse, die das Oberengadin mit Italien verbindet. Erst im Jahr davor hatte man den idyllischen Campingplatz am Fuss der Mehrzweckhalle weggebaggert und das Bett der Bondasca in ein Auffangbecken verwandelt, nur wenig kleiner als das, in das man nun schaut. Bis zu zwölf Meter hoch türmten sich darin Geröll und Schlamm. Noch während geräumt, abtransportiert und gesichert wurde, planten Gemeinde und Kanton bereits die Zukunft: Ein neues Becken sollte weitere Ereignisse dieser Grösse auffangen können. In einem Projektwettbewerb suchte man 2019 nach einem Plan für höhere Dämme, höher verlaufende Strassen und drei neue Brücken, vor allem aber nach einer Einbettung von alldem in den vorhandenen, sensiblen Ort, denn Bondo hat ein Ortsbild von nationaler Bedeutung. Das Projekt ‹strata› gewann den Wettbewerb, und so nannte sich fortan auch das Team aus Landschaftsarchitektinnen, Brückenbauingenieuren, einem Architekten und weiteren Fachingenieuren. Das Siegerprojekt sei mehr als die Summe der Beiträge der einzelnen Disziplinen, sagte der Juror und Landschaftsarchitekt Rainer Zulauf damals zufrieden. Der Jurybericht sch...

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