Der Dorfplatz im 21. Jahrhundert

Die Schweiz ist ein Land der Dörfer, auch wenn viele davon längst Teil der Agglomeration sind. Planung ausserhalb der Stadt setzt ein Bewusstsein für die Geschichte des Dorfs voraus.

Die Schweiz ist ein Land der Dörfer, auch wenn viele davon längst Teil der Agglomeration sind. Planung ausserhalb der Stadt setzt ein Bewusstsein für die Geschichte des Dorfs voraus.

Festwiesen, Strassendörfer und Dorfstrassen, Waschhäuser, Allmenden, Friedhöfe, Schulhausplätze: Das Dorfleben hat seine eigenen öffentlichen Räume hervorgebracht. Landwirtschaft, Gemeinschaft, Tradition, Wirtschaftsweisen, aber auch die Anknüpfungspunkte des Dorfs an die weite Welt waren die treibenden Kräfte. Im Zuge der Automobilisierung und der Suburbanisierung im 20. Jahrhundert verloren diese Räume zusehends ihre ursprüngliche Funktion. Sie überlebten als Durchfahrtsschneisen mit nostalgischen Strassennamen, als zwar herausgeputzte, doch selten benutzte Freiflächen. Zugleich entstanden neue Begegnungsorte – vom Sport- und Spielplatz über das Zwischengrün in Siedlungen und die Bank an der Bushaltestelle bis zum Trottoir vor dem Dorfladen. Klimawandel und Biodiversitätsverlust sind eine zusätzliche Herausforderung für die Freiräume. In seinem Buch ‹Die Landesverteidigung› schreibt Benedikt Loderer, das Dorf sei tot: «Die Hüslimenschen hingegen suchten die ‹Natur›. [...] Sie erst brachten die Landschaft aufs Land.» Die Pendlerinnen, die Menschen aus den Agglomerationen, verstädtern ihr Habitat, und das ursprüngliche Dorfleben ist weg. Brachte die tertiär ausgebildete Nachhut der Hüslipioniere die Landschaftsarchitektur mit sich, weil die neu entdeckten Dörfer beplant werden mussten? Tatsächlich findet ein Bewusstseinswandel statt. Ländliche Freiräume sind heute nicht nur für Verkehrsplaner*innen, Ortsbildsachverständige und Architekt*innen eine wichtige Planungsaufgabe, sondern auch für die Landschaftsarchitektur: Sie bringt das Rüstzeug mit, um Herausforderungen wie Klimaanpassung, gesellschaftliche Ansprüche und ökologische Infrastruktur im Aussenraum zusammenzubringen. Doch zunächst einmal gilt es, das Dorf zu verstehen. Das Dorf als Ideal In vormodernen Zeiten waren die Strassen und Plätze auf dem Land oft vielfältig genutzte Räum...

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