An zugigen Orten wie am Rand des Gleisfelds in Zürich-West findet Jonas Frei (rechts) besonders viele und besonders seltene wilde Pflanzen.

Steppensalbei, Schachtelhalm, Stinkender Storchenschnabel

Autor und Landschaftsarchitekt Jonas Frei führte auf einem Spaziergang durch die wilde Vegetation Zürich-Wests.

Wer die Vielfalt wilder Pflanzen in der Stadt erfahren will, begibt sich am besten an windige Orte. Zürichs zugigem Gleisfeld entlang schweben ständig Samen von Pflanzen auf die rauen, steinigen Böden herab. Hier passt es ihnen, die oft aus dem mediterranen Raum stammen, denn das Gleisfeld strahlt Wärme ab, der Wind vergrault andere Arten und so haben sie wenig Konkurrenz zu fürchten. Da ist zum Beispiel der Wundklee, der schon jetzt satt gelb blüht, im frühen April. Seinen Namen erhielt er, weil man die bauschigen Blütenstände dazu nutzte, um Wunden zu polstern. Oder der Stinkende Storchenschnabel mit kleinen Blüten, der nur am Gleisrand wächst – schon wenige Hundert Meter im Innern des Quartiers dominieren wieder die bekannten Storchenschnabel-Arten. ###Media_2###Der Landschaftsarchitekt, Dokumentarfilmer und Autor Jonas Frei hat wild wachsende Pflanzen in der Stadt genau studiert (siehe Hochparterre 1-2/2022). Gestern lud er zur Vernissage seines Buchs «Stadtwildpflanzen» und demonstrierte deren ebenso unbeachtete wie wundersame Vielfalt auf einem Spaziergang durch Zürich-West. Entlang der Gleise und an anderen Randlagen gedeihen Raritäten wie die Rheinische Flockenblume, von der ein einziges Exemplar aus einer Fuge zwischen Pflastersteinen am Fuss des Zoelly-Turms spriesst. Der Schachtelhalm hat sich dagegen weit verbreitet, ein Urgewächs, älter als die Dinosaurier und auch noch in der heutigen Stadt überlebensfähig. Den Schachtelhalm porträtiert Jonas Frei in seinem empfehlenswerten Buch als Pflanze der laufenden Kalenderwoche 14 – insgesamt sind es 52, für jede Woche des Jahres eine. ###Media_4###...
Steppensalbei, Schachtelhalm, Stinkender Storchenschnabel

Autor und Landschaftsarchitekt Jonas Frei führte auf einem Spaziergang durch die wilde Vegetation Zürich-Wests.

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