Mit feinem Strich malt die 89-jährige Gestalterin Wellen, Raster und Strukturen.
Aoi Huber Kono zog es von Tokio über Mailand bis ins Tessin. Nun versammelt die Ausstellung «Il Sensore nascosto» das jahrzehntelange Schaffen der aussergewöhnlichen Künstlerin, Illustratorin und Designerin.
Tauben, Hasen, Fische und Löwen hat Aoi Huber Kono viele gezeichnet. Manche blicken heiter drein, andere frech oder etwas zerknautscht. Allen gemein ist ein Ausdruck, der so eigenständig wirkt, als ob jedes der Tiere einen ganz eigenen Charakter hätte. Sie tauchen in Konos Kinderbüchern auf, in Grafiken aus den 1960er-Jahren oder in Grusskarten, die sie zusammen mit ihrem Mann, dem Schweizer Grafikdesigner Max Huber, gestaltet hat.
###Media_5###
Konos Strich ist geduldig, unermüdlich formt sie ihn zu winzigen Kringeln, Rastern, Dachziegeln oder Wellen. Am Wasser glaubt man, ihre japanische Herkunft zu erkennen – immerhin verbrachte sie ihr erstes Jahr auf der Tokioter Kunstakademie grösstenteils damit, traditionelle japanische Maltechniken zu üben.
###Media_2###
Wie breit ihr Schaffen bis heute ist, verdeutlicht die Einzelausstellung «Il Sensore nascosto», die derzeit im Museo Villa Pia nahe Lugano geöffnet ist. Auf zwei Stockwerken sind chronologisch geordnet Malereien, Kalligrafien, Gravuren, Keramiken, Textilkunst, Spielzeuge, Illustrationen und Kinderbücher zu sehen. Die Schau vermeidet es, Werke aus der Kunst und dem Design voneinander zu trennen. Das passt zu Kono – eine Zuordnung zum europäischen oder japanischen Stil, zur visuellen oder angewandten Kunst interessierte sie nie.
###Media_3###
Für manche Bilder benötigen Betrachterinnen beinahe eine Lupe, andere, wie die Teppiche für Mario Botta, hängen grossformatig an der Wand.
Herausragend ist die eigenständige Farbwelt der 89-jährigen Gestalterin. Sie kombiniert himbeerrot mit moosgrün und sonnenblumengelb, mischt reine und gebrochene, kalte und warme Farben so unerschrocken, dass es eine Freude ist.
Wer in den nächsten Wochen gegen Süden fährt, tut gut daran, Halt in Lugano zu machen. Erst mit dem Bus 443 nach Porza und anschliessend ein Gelato al Mandarino e Peperoncino in der Gelate...
Grenzüberschreitende Gestalterin
Aoi Huber Kono zog es von Tokio über Mailand bis ins Tessin. Nun versammelt die Ausstellung «Il Sensore nascosto» das jahrzehntelange Schaffen der aussergewöhnlichen Künstlerin, Illustratorin und Designerin.
14.07.2025 16:29