Farbstark
Am neuen Standort im Löwenbräukunst-Areal gibt das Museum Haus Konstruktiv Einblick in das malerische Werk des Grafikers und Künstlers Richard Paul Lohse.
Zum vierzigsten Jubiläum des Hauses kehrt das Museum Haus Konstruktiv zurück zu den Ursprüngen der konstruktiv-konkreten Kunst: Die aktuelle Ausstellung zeigt das malerische Werk von Richard Paul Lohse (1902–1988). Der Grafiker und Künstler zählt zu den Schlüsselfiguren der Zürcher Kunstbewegung, war Mitgründer der Künstlergruppe Allianz und initiierte Ausstellungen im In- und Ausland.
In Armut aufgewachsen, absolvierte der junge Lohse eine Lehre als Reklamezeichner bei der Werbeagentur Max Dalang und machte sich anschliessend einen Namen als Grafiker. Zusammen mit einer Gruppe rund um den Gestalter Josef Müller-Brockmann initiierte er das Grafikmagazin «Neue Grafik», das zwischen 1958 und 1965 erschien. Parallel zu seiner gestalterischen Arbeit begann Lohse, sich mit Malerei auseinanderzusetzen. Erste Impulse holte er sich bei der niederländischen De-Stijl-Bewegung und den russischen Konstruktivisten.

«Meine Bilder kann man durchs Telefon geben», soll der Autodidakt einst augenzwinkernd gesagt haben. Die Ausstellung erklärt diese Behauptung mit diversen Entwürfen, Zeichnungen und Tabellen, die zeigen, wie Lohse seine Bildkompositionen entwickelt hat. Viele Arbeiten basieren auf festen Zahlensystemen, mathematischen Prinzipien und einem Konzept der modularen und der seriellen Ordnungen.
Zwischen Konzeption und Ausführung liegen oft Jahre auseinander. Lohse konzipierte viele Arbeiten in den 1940er- und 1950er-Jahren, Zeit fürs Malen blieb ihm damals jedoch kaum. Ausgeführt hat er sie deshalb erst nach seinem 50. Geburtstag. Die Ausstellung zeichnet die künstlerische Entwicklung Lohses nach und mündet in einem Farbspektakel, einem Spiel der Komplementärfarben, eingefangen in drei sechs Meter langen Bildern, in denen je 108 Farbquadrate Platz finden. Sie transportieren einen Begriff, der für Lohses Schaffen zentral war: die Farbmengengleichheit. Sie symbolisiert eine gerechte Gesellschaft – der Künstler setzte sich für soziale Gleichheit ein und engagierte sich in antifaschistischen Organisationen.
Um zu erfahren, wie präsent Lohses Haltung in seinen Bildern ist, lohnt sich eine öffentliche Führung. Sie finden regelmässig statt und sind im Museumseintritt inbegriffen, eine Anmeldung ist nicht nötig.

Richard Paul Lohse
5. Februar – 10. Mai 2026
Museum Haus Konstruktiv
Limmatstrasse 268
8005 Zürich