Origen-Intendant Giovanni Netzer präsentiert das Modell des geplanten Juliertheaters. Fotos: Yanik Bürkli

Theaterturm auf dem Julierpass

Origen ist ein Theaterunternehmen im Oberhalbstein im Dörflein Riom im Kanton Graubünden. Dort will der Intendant Giovanni Netzer nun ein neues Theaterhaus bauen.

Origen ist ein Theaterunternehmen im Oberhalbstein im Kanton Graubünden. Seine Aufführungen sind gut besucht: 12'100 Gäste besuchten das Sommerfestival 2016 in den letzten zwei Monaten. Im Dörflein Riom sind Origens Spielstätten in einer Burg, in einem grossen Stall, in einem prächtigen Haus; unterwegs sind die Schauspielerinnen und Tänzer in Graubünden und ab und zu in Zürich.

Denkwürdig waren Aufführungen auf dem Julierpass. Dort will der Intendant Giovanni Netzer nun ein neues Theaterhaus bauen. Origens Juliertheater ist ein markanter, archaisch anmutender Turmbau, der an babylonische Vorbilder erinnert. Giovanni Netzer: «Wir knüpfen ganz bewusst an den Babylon-Mythos an. Mit dem gescheiterten Turmbau zu Babel entsteht die globale Sprachverwirrung, die sich am Julierpass eindrucksvoll manifestiert. Dem Juliermassiv entspringen nicht nur Quellen für drei Meere – an diesem Pass stossen auch grosse Sprachkulturen aufeinander.» Der Julierturm zitiert eine Reihe klassischer Raumtypen: Das griechische Landschaftstheater, das römische Amphitheater, den karolingischen Zentralbau, den hohen mittelalterlichen Sakralraum, das Shakespeare-Theater, das Opernhaus mit Logen, den Festsaal – und reduziert die Raumtypen auf ein einfaches, archaisches Raumgefüge. Der Julierturm wird filigran in Holz konstruiert und wirkt durch die vielen Öffnungen transparent. Die obere Plattform kann als Veranstaltungsraum oder als Foyer genutzt werden.

Die Zuschauerränge umfassen die zentrale Spielfläche und lenken den Blick des Besuchers immer auch hinaus in die Weite der Landschaft. Giovanni Netzer: «Der Turm fängt das Abendlicht auf und zelebriert die jahreszeitlichen Wetterstimmungen – das macht ihn einzigartig im modernen Theaterbau. Es geht nicht um eine technoide Salle Modulable, sondern um einen archaischen Theaterraum, der den ursprünglichen Zusammenhang zwischen Natur, Kult und Theater neu definiert.» Energie und Wasserversorgung sollen autark realisiert werden, alle Besucher werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Julier gebracht.

Damit das Juliertheater und der erweiterte ganzjährige Spielplan realisiert werden können ist eine Erhöhung der Subventionen notwendig. Origen hat die Regierung des Kantons Graubünden um eine Aufstockung der Leistungsvereinbarung von 200'000 auf  480'000 Franken gebeten. «Origen erhält derzeit nur etwa die Hälfte der kantonalen Subventionen an das Theater Chur oder an die Kammerphilharmonie Graubünden – trotz eines höheren Budgets und einer wirtschaftlich schwierigeren Lage in einer sogenannten potenzialarmen Region.» Ausserdem hat Origen beim Amt für Wirtschaft und Tourismus um einen einmaligen Beitrag in Höhe von 800'000 Franken an den Bau des Juliertheaters und an den Ausbau der Infrastruktur in Riom gebeten. «Das Juliertheater ist ein Pilotprojekt mit Pioniercharakter. Es soll nicht zu Lasten anderer Kulturinstitutionen oder gar der Laienkultur gehen, im Gegenteil. Der Kanton Graubünden darf sein Engagement für die Kultur verstärken, stellt sie doch eine der wichtigsten natürlichen und einzigartigen Rohstoffe dar.»

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Kommentare

Hegetschweiler Mafalda 03.08.2017 08:40
Ein wunderer roter Turm auf dem Julierpass
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Ich kann das Bild nicht lesen