Sie diskutierten über Szenarien für St.Moritz: Der ehemalige Kurdirektor Hans Peter Danuser, der Leiter des Institut für Kulturforschung Graubünden, Marius Risi, die Buchautorin Cordula Seger und Architekturtheoretiker Stanislaus von Moos (v.l.n.r.)

St.Moritz – und was daraus werden könnte

«St. Moritz. Stadt im Dorf», heisst ein eben erschienenes Buch. Bei der Vernissage im Zürcher Architekturforum wurde kontrovers über die Zukunft des Parade-Kurorts diskutiert.

Die Kulturwissenschaftlerin Cordula Seger und der Architekt Christoph Sauter leben und arbeiten seit zehn Jahren in St.Moritz und setzen sich mit der Geschichte und der gebauten Realität des Ortes intensiv auseinander. Die Nahsicht brauche viel Nachsicht, stellte Chistoph Sauter bei der Buchvernissage in Zürich fest. Doch noch sei nicht alles verloren. St.Moritz müsste sich nur auf die kulturhistorisch und architektonisch wichtigen Werke und Bauten besinnen. Die Autorin und der Autor zeichnen detailliert die Geschichte des Ortes anhand von viel Quellenmaterial und Bildern nach und machen Vorschläge, in welche Richtung die Entwicklung gehen könnte. Im Grundsatz geht es um die Abkehr vom Wettstreit um die beste Aussicht.

Zentrales Element der Entwicklungsvorschläge ist eine «Statt-Mauer», die in den Renderings als massive Promenade am See und am Inn erscheint – ein gewaltiger baulicher Eingriff. Die Mauer soll – anders als die Stadtmauer im herkömmlichen Sinn – nicht die Siedlung vor der Landschaft, sondern die Landschaft vor der weiteren Zersiedelung schützen. Sie wäre ein auf lange Frist angelegtes Bollwerk.

An der Buchvernissage im Zürcher Architekturforum diskutierte – unter der Leitung von Marius Risi vom Institut für Kulturforschung Graubünden – die Autorin Cordula Seger mit dem früheren Kurdirektor Hans Peter Danuser und dem Kunsthistoriker und Architekturtheoretiker Stanislaus von Moos. Von Moos kategorisierte das bauliche Erscheinungsbild von St.Moritz als «Birchermüesli», in dem alles zusammengemischt worden ist. Er war aber nicht so glücklich darüber, dass das Buch architektonische und kulturhistorische Analysen mische. Hans Peter Danuser blendete auf dreissig Jahre Tourismusentwicklung zurück und musste einräumen, dass er als Kurdirektor nur wenig Einfluss auf die politischen Entscheide vor Ort hatte. Die im Buch gemachten Vorschläge zur künftigen Entwicklung – insbesondere die «Statt-Mauer» – bezeichneten von Moos und Danuser als ziemlich utopisch.


Christoph Sauter, Cordula Seger: «St.Moritz. Stadt im Dorf.» Verlag hier + jetzt, 2014, Fr. 89.–

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