Die Puppen im Wartehäuschen warten und philosophieren.

Kunst auf dem Perron

Es geht auch subtiler als der Hafenkran: Statt über verspätete Züge zu informieren, stellt die Durchsage im Bahnhof Winterthur plötzlich die grossen Fragen des Lebens. Kunst, mitten im Alltag.

Zürich hat den Hafenkran, der am Limmatquai stählern und wuchtig Diskussionen auslöst. In Winterthur ist die sommerliche Kunst im öffentlichen Raum subtiler, die Stadt war schliesslich immer schon etwas bescheidener. Im Wartehäuschen auf dem Perron 4/5 am Bahnhof sitzen Figuren mit ihrem Gepäck des Lebens, blicken die Passanten an und fragen sie über den Lautsprecher: «Warum darf ich nicht glücklich sein? Wann fliesst die Seele in unseren Körper? Kann ich meine Wiedergeburt verweigern?» «Menschen – Geschichten» heisst die Intervention vom Künstlerduo Glaser/Kunz und Andres Bosshard, die Teil des 750-Jahr-Jubiläums der Stadt ist. Die Installation will nicht provozieren, sondern philosophieren. Manche Fragen klingen zwar arg pathetisch oder abgedroschen. Doch der Clou der Installation ist ihre Einbettung in den Alltag. Statt über verspätete Züge zu informieren, stellt die Durchsage plötzlich Fragen. Das ist Kunst im öffentlichen Raum, Kunst im hier und jetzt. Zudem zeigen die SBB damit ein rares Mal: Sie haben nicht nur Platz für Bretzelkönige und andere Verkäufer, die vor allem Geld verdienen wollen.

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