Katerina Seda, Neda se svitit/ No Light, 2009, Installationsansicht Kunstmuseum Luzern, Foto: Stefano Schröter, Courtesy Galleria Franco Soffiantino, Turin und Collezione La Gaia, Busca © the artist Fotos: Stefano Schröter

Katerina Seda im Kunstmuseum Luzern

Sich nicht der Verzweiflung oder Fantastereien zu überlassen – darauf zielt die Arbeit der tschechi- schen Künstlerin Katerina Seda. Das Kunstmuseum Luzern zeigt einen Überblick über ihre Arbeiten.

«Lebt in New York und Berlin», heisst es bei vielen Künstlerinnen, denn in häufig gleich zwei Metropolen verortet sich die zeitgenössische  Künstlerschaft. Katerina Seda (geboren 1977) dagegen lebt in Brno-Lise, einem Viertel von Brünn in Tschechien. Bekannt wurde sie nicht aufgrund autonomer, vom Alltag losgelöster Werke, sondern wegen ihrer Arbeiten mit der regionalen Bevölkerung, bevorzugt mit Mitgliedern der eigenen Familie oder mit Dorfbewohnerinnen. Eines ihrer frühesten Engagements war dem Dorf Ponêtovice gewidmet, das – wie wohl die meisten kleinen Ortschafen – als öd und langweilig gilt. Ausgehend von einem Fragebogen ermittelte Seda das arithmetische Mittel für die Handlungen der Einwohner und veranlasste diese dann, ihren eigenen Tagesablauf synchron durchzuführen. Um 07:00 gingen sie einkaufen und gaben dabei genau zehn Kronen aus. Um 09:00 öffneten sie die Fenster, um 10:00 fegten usw. In einer anderen Arbeit beschäftigte sich Seda mit der eigenen dementen Grossmutter. Indem sie die alte Dame - deren Schäferhund später Hauptperson eines Videos wurde – dazu brachte, die diversen Schräubchen und Nägel des Eisenwarengeschäfts zu zeichnen, in dem sie einst angestellt war, gab sie dem Leben der Grossmutter nochmals Aufgabe und Sinn. 




Sich nicht der Trauer, der Verzweiflung oder auch Fantastereien zu überlassen – darauf zielt die Arbeit der Künstlerin. Es gilt, den Alltag, und mag er noch so aussichtslos erscheinen, in kleinen Schritten immer wieder neu lebendig zu machen. So versucht Seda seit einigen Jahren, dem nordmährischen Dorf Nosovice im östlichen Zipfel des Landes aufmunternde Impulse zu vermitteln. Das Zentrum der kleinen Gemeinde wurde vom südkoreanischen Autobauer Hyundai mit einem gigantischen Werk besetzt. Das Dorf brach auseinander, die herkömmlichen Verbindungen und der Zusammenhalt der Gemeinde wurden zerstört. Seda versucht nun unermüdlich, das besetzte und unzugängliche Zentrum zu regenerieren. Nicht indem sie den Aufstand gegen Hyundai proklamiert, sondern indem sie mit immer neuen, einfallreichen Schritten, die Leere im Zentrum umkreist – mittels gestickter Kopftücher oder Tischdeckenmit Loch in der Mitte oder auch mithilfe einer Gruppe Wiesbadener Köche, die in Nosovice Gerichte mit Loch in der Mitte kreiert. 

Fanni Fetzer, neue Kuratorin des Kunstmuseums Luzern, beginnt mit einem Überblick über die Arbeiten von Seda ihr vielversprechendes Programm. 


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Kommentare

Röösli Daniel 28.05.2019 11:05
Ein sehr spannender Berich über die Künstlerinn Katerina Seda im Kunstmuseum Luzern. Künstler Daniel Röösli aus Luzern.
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Ich kann das Bild nicht lesen