Das Bischoff-Textil-Hochhaus mitten in St.Gallen.

Industriebau erhalten – und dafür geehrt

Nicht mehr gebrauchte Industriebauten sind rasch vom Abbruch bedroht. Dass es auch anders geht, freut den Heimatschutz St.Gallen/Appenzell-Innerrhoden. Er ehrt deswegen ein St.Galler Textil-Unternehmen.

Er ist ein schweres Stück Bronze, gegossen im Sitterwerk in St.Gallen und entworfen von der Künstlerin Katalin Deér – der «Goldene Schemel». Er ist eine Erfindung der Heimatschutz-Sektion St.Gallen/Appenzell-Innerrhoden und wird für Verdienste auf dem Gebiet der Baukultur und für den sorgsamen Umgang mit Landschafts- und Siedlungsräumen vergeben. Dieses Mal wurden gut erhaltene Industriebauten aus der Zeit zwischen 1945 und 1975 gesucht. Die Jury entschied sich für das Hochhaus und die Shedhallen von Bischoff Textil in St.Gallen.

Das Unternehmen bekam den «Goldenen Schemel» für den Erhalt der Gebäude aber auch aus wirtschaftshistorischen Gründen. Denn trotz Verlagerung der Produktion nach Thailand und Sri Lanka und dem damit verbundenen Stellenabbau, sind die Gebäude als Arbeitsstätten mitten in der Stadt St.Gallen erhalten geblieben. Das ist nicht selbstverständlich. Andernorts verschwinden Industriebauten, wenn deren Nutzung ändert oder aufgegeben wird. Das jüngste Beispiel ist die ehemalige Spinnerei Uznaberg, die die St.Galler Kantonsregierung trotz bestehendem Denkmalschutz im revidierten Richtplan zum Abbruch freigegeben hat. Bischoff Textil fand einen anderen Weg und vermietet die renovierten Gebäude heute in grossen Teilen an Dritte.

In die Shedhallen ist ein Sportmarkt eingezogen. Er macht die Hallen erstmals öffentlich zugänglich. Gebaut wurden sie 1955. Das 10-geschossige Hochhaus wurde zwei Jahre später fertiggestellt. Die Pläne fürs Ensemble stammen vom St.Galler Architekten Albert Bayer. Er war zusammen mit dem Firmenbesitzer vor dem Bau extra in die USA gereist, um sich dort über Hochhausbauten zu informieren. Die Statik der Gebäude stammt vom St.Galler Ingenieurbüro Scheitlin, Hotz & Zähner.

Die Shedhallen umfassen je elf Segmente mit nach Norden gerichteten Oberlichtern. Darin standen früher zwanzig rund 13 Meter lange Stickmaschinen. Das im originalen Blau-Weiss renovierte Hochhaus mit seinen zwei auskragenden Obergeschossen steht städtebaulich markant und von weitem her sichtbar am Rand der offenen Wiese der Kreuzbleiche, dem ehemaligen Militärgelände. Die Eisenbeton-Skelett-Konstruktion erlaubt eine freie Raumdisposition. Die originalen Glasbausteinwände sind ebenfalls erhalten, und das mächtige Treppenhaus wird mit einer im Geländer integrierten Heizleitung temperiert.

 

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Kommentare

Andreas Konrad 15.01.2020 16:55
Dieses an sich schon grob gestellte Hochhaus mit seiner falschen , zu sensiblen Platzierung wurde , wie so oft in der Schweiz , durch Renovationen noch zusätzlich verunstaltet . Der « Mocken » wurde in besseren Tagen durch feingliedrige Fenstersprossen gezeichnet , die nun gänzlich verschwunden sind . Stattdessen blickt man an viel zu dicke Fensterrahmen , deren Plumpheit selbst die billigen Baumarktfenster vor Scham erröten lässt.
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