Die Ausstellung «Ernstfall! Die Schweiz im Kalten Krieg» in der Burg Zug.

Ernstfall!

Dieses Jahr jährt sich das Ende des Kalten Krieges zum dreissigsten Mal. Nun zeigt das Museum Burg Zug mit der Ausstellung «Ernstfall!», wie der Kalte Krieg die Schweiz bewegte – und lanciert eine Debatte.

Kapitalistisches Monopoly oder «Bonul Gospadar», die sozialistische Variante aus Rumänien? Eingangs der Ausstellung «Ernstfall!» werden die beiden Systeme anhand des bekannten Brettspiels plakativ deutlich. So beginnt der Parcours mit einem Blick auf die wichtigsten Ereignisse der Konfrontation zwischen Ost und West: Die Rede Winston Churchills 1946 in Zürich, der Ungarnaufstand von 1956 bis zur atomaren Aufrüstung. Ebenso ist das Original-Pult zu sehen, an dem John F. Kennedy 1963 den ersten Vertrag zum Verbot von Kernwaffentests unterzeichnete.
 

Das bekannte Monopoly und sein Pendant «Bonul Gospadar» aus Rumänien.

Bipolares Weltbild – bipolare Ausstellung
«Ernstfall!» ist – dem bipolaren Weltbild des Kalten Krieges entsprechend – in zwei Blöcke geteilt. Auf der einen Seite zeigt die Ausstellung, wie die Schweiz auf die Bedrohungen des Ost-West-Konfliktes reagierte: Die Armee wurde modernisiert und Zivilschutzunterkünften für die ganze Bevölkerung gebaut, in der Annahme, dass ein Angriff auf die Schweiz mit zu hohen Kosten verbunden und daher nicht lohnend sei. Auf der anderen Seite thematisiert sie neue soziale Bewegungen, die sich gegen starre gesellschaftliche Strukturen wehrten und politische Reformen forderten.

Vorrat, Luftschutzkeller und Feldbetten: Der Zivilschutz in der Schweiz.
Zwei grossformatige Fotos, einmal vom igelförmigen Armeepavillon der Expo 1964 und einmal von einem Eingang in einen Zivilschutzraum, führen in die Ausstellungsteile «Armee» und «Zivilschutz». Erstere genoss innerhalb der Bevölkerung und der Gesellschaft einen grossen Rückhalt und war tief im Selbstverständnis verankert. Eine bunkerähnliche Installation verkörpert diesem. Dem gegenüber gelangen die Besucherinnen und Besucher zu einem sechs Meter langen Tisch einer Wohngemeinschaft. Hier sind Objekte, Hörstationen und Dokumente der verschiedenen neuen sozialen Bewegungen zu sehen, etwa von der «Revolutionären Marxistischen Liga Zug» oder der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA). In einer eigenen Installation äussern sich drei GSoA-Initianten über ihren Antrieb, die Initiative zur Abschaffung der Armee zu lancieren.

Über Hörstationen erzählen GSoA-Initianten über ihren Antrieb, die Initiative zur Abschaffung der Armee zu lancieren.

Debatte anstossen
Zwischen diese beiden Ausstellungsteile schieben sich die wechselseitigen Feindbilder, die damals die die Schweizer Gesellschaft in zwei Lager spalteten. Zuerst begegnen die Besucher einem Rotarmisten, der den äusseren Feind verkörpert. Die Feindbilder der neuen Sozialen Bewegungen wiederum waren die erstarrte Gesellschaft sowie die starke Verflechtung von Armee und Gesellschaft. Hör- und Videostationen, Plakate oder ein Schmähbrief gegenüber einem linken Politiker erzählen von der in der Schweiz herrschenden Stimmung während des Kalten Krieges.
 

Die Ausstellung lanciert eine Debatte zu den Themen «Sicherheitspolitik», «Integration» oder «Ausschluss politisch Andersdenkender».

Durch diese gut gewählten Beispiele gelingt es dem Kurator Christoph Tschanz und seinem Team, die politischen und gesellschaftlichen Gegensätze, eindrücklich zu illustrieren. Gut auch, werden diese Entwicklungen bewusst kontradiktorisch vermittelt, was bei Besucherinnen und Besuchern eine Debatte rund um die Themen Sicherheitspolitik, Integration oder den Ausschluss politisch Andersdenkender anstösst.

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