Georg Keller - Warenhaus, zu dem ein Laufsteg für die Modeschau, Produkte auf glänzendem Sockel und Tischlein für die Autogrammschreiber gehören.

Ein Warenhaus in Emmenbrücke

Ein Tipp für Kurzentschlossene: Georg Kellers Installation «Warenhaus» Kunsthaus akku in Emmenbrücke.

Ein Tipp für Kurzentschlossene: Reise mit dem Zug nach Emmenbrücke und schreite dann zu Fuss fünf Minuten ins kleine Kunsthaus «akku», das in der ehemaligen Kistenfabrik der Viscosuisse eingerichtet ist. Dort zeigt Natalia Huser noch bis zum 6. Mai Georg Kellers Installation «Warenhaus». Auf glänzenden Podesten erhöht er Waren zu Mythen des Alltags – ein paar Schwämme, eine Bettflasche, ein Brot, eine Weinflasche und so weiter; doch was ein richtiges Warenhaus sein will, lebt von Inszenierung und Event. Also eröffnet jeden Tag ein Schauspieler als Gemeindepräsident das Warenhaus, schreibt ein Star Autogramme und führt ein Moderator durch eine Modeschau. Auch das Kinderparadies darf ebenso wenig fehlen wie die Kulturausstellung, in diesem Fall trägt sie der Philatelistenverein bei. Und so wird, was dem ersten Eindruck als karg ausgerüstete Ausstellung erscheint, zu einer munteren Ironie der Sitten und Bräuche unserer Lebensform – ein Schmuckstück ist das Warenhauskino, in dem ein Film junger tschechischer Künstler vorgeführt wird, die nach allen Regeln des Marketing die Vernissage eines Warenhauses vor ihrer Stadt vorbereiten, zu der am Tag der Eröffnung dann auch hunderte Leute strömen und nichts finden als eine riesengrosse Blachenfassade vor einem Baugerüst.


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