Der Hafenkran am Zürcher Limmatquai: «Diese Kraftmaschine gehört unbedingt in die Stadt.» Fotos: PD

Die Kraftmaschine

Die Stadt Zürich diskutiert über einen Hafenkran, der am Limmatquai installiert werden soll. «Diese Kraftmaschine gehört unbedingt in die Stadt», schreibt Benedikt Loderer in seinem Kommentar.

Der Hafenkran erinnere daran, dass Zürich einst auf einem Meeresgrunde lag, erzählen seine Verteidiger. Et alors? Das ist ein zusammengeklaubter Scherz, der die Blösse des Argumentationsnotstands bedecken soll. Gescheiter wäre, hinzugucken. Der Kran ist ein betörend schönes Objekt, Punkt. Das ist Grund genug ihn, aufzustellen. Seine riesige Insektenform rechtfertigt sich selbst. Der Kran hat Kraft, er lebt, ist kerngesund, gross und mächtig. Seine vier Beine bohren sich in die Plattform, sein dicker Leib ist unerschütterbar, sein Ausleger greift in den Himmel. Er ist männlich und protzt schamlos mit seiner Potenz. Selbstverständlich passt er nicht an den Limmatquai, er ordnet sich nicht ein, nicht unter. Er hat eine andere Grössenordnung. Er macht Zürich so klein wie es ist. Er behauptet frech: Seht ihr nun, wie putzig Zürich ist, verglichen mit meiner rohen Schönheit und unanständigen Macht. Diese Kraftmaschine gehört unbedingt in die Stadt. Sie anzusehen, ihre Ausstrahlung zu erleiden, erinnert uns daran, dass das Schicksal Zürichs nicht in Zürich entschieden wird. Also spricht der Stadtwanderer  

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Kommentare

Ryfel Heinz 09.08.2011 16:07
Der Franken ist hoch, der Kran ist stark. Super Text Benedikt. Nicht diskutieren, montieren und flanieren am Limmatquai. Gruss Heinz Ryffel Seleform AG
M. Schwager 10.08.2011 11:45
Der Massstabssprung ist das Faszinierende! Es hilft, den Indentifikationspunkt von Zürich, die Altstadt, in seiner Kleinteiligkeit und Enge zu erkennen. Der Hafenkran fordert ein grosszügigeres Denken. Und er macht wehmütig; er erinnert an die Freiheit und die Weite des Ozeans.
M. Schwager 10.08.2011 11:45
Der Massstabssprung ist das Faszinierende! Es hilft, den Indentifikationspunkt von Zürich, die Altstadt, in seiner Kleinteiligkeit und Enge zu erkennen. Der Hafenkran fordert ein grosszügigeres Denken. Und er macht wehmütig; er erinnert an die Freiheit und die Weite des Ozeans.
Walter Kubik 16.02.2012 21:57
Stell dir vor, in Zürich würde es einen veritablen Hochofen geben. Diese Dinger, aus denen das Eisen heraussprudelt, sind so um die hundert Meter noch! All die Sachen zur Herstellung unserer Rohstoffe (Metalle etc.) mit den wirklich grossen Dimensionen machen wir ja glücklicherweise nicht selber, sondern lassen da 'das Ausland' die Umweltbelastungspunkte ernten!
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Ich kann das Bild nicht lesen