Der Regisseur im Skyspace von James Turrell

Der Unendlichkeit auf der Spur

Am Donnerstag startet «Architektur der Unendlichkeit» in den Schweizer Kinos. Der Film von Christoph Schaub wagt sich an die grossen Fragen von Raum und Zeit. Es geben Antwort: Zumthor, Märkli, Siza u. a. m.

Der Schweizer Regisseur Christoph Schaub dreht nicht nur Spielfilme, er hegt und pflegt auch ein seltenes Pflänzchen: den Architekturfilm. Mit Marcel Meili realisierte er vor mehr als zwanzig Jahren den stilbildenden Kurzfilm ‹Il Girasole› über die gleichnamige Hausmaschine im Veneto. Es folgten Dokumentationen über Herzog & de Meuron, Santiago Calatrava oder Gion A. Caminada.
Schaubs neuster Dokumentarfilm ist nun gleichzeitig eine Ergründung seiner persönlichen Passion. Obwohl den kirchlichen Institutionen nicht besonders zugetan, kann sich der Regisseur, so erfahren wir zu Beginn des Films, der Faszination sakraler Räume nicht entziehen. Um dem Geheimnis architektonischer Wirkungskraft auf den Grund zu kommen, nähert er sich deshalb filmend einer eklektischen Auswahl von Räumen und Orten, die alle auf die eine oder andere Art Teil jener ‹Architektur der Unendlichkeit› sind, die der Film im Titel trägt.

Architekt Peter Märkli in seinem Atelier in Zürich

Man reist durch Zeit und Raum, von der gotischen Kathedrale in Metz zu Asplunds Waldfriedhof bei Stockholm, von den romanischen Kirchen in der Saintonge zu James Turrells Skyspace in Zuoz und zu den rätselhaften Untergrund-Kunstwerken von Cristina Iglesias – alles festgehalten in den weiten, unaufgeregten Bildern des jungen Kameramanns Ramòn Giger. Das ersetzt nicht die sinnliche Erfahrung vor Ort, schafft aber gedankliche Beziehungen zwischen weit entlegenen Bauten. Längere Zeit verbringt man in der Bruder-Klaus-Kapelle und im Museum ‹Kolumba› von Peter Zumthor, im Skulpturenhaus ‹La Congiunta› von Peter Märkli und in der Kirche Santa Maria von Álvaro Siza Vieira – drei Architekten, die Schaub zwecks Gedankenaustausch auch zum Gespräch aufsucht.

Peter Zumthor in seinem Architekturbüro in Haldenstein

Allerdings erweist die «Unendlichkeit» sich hier als Hypothek für Film und Protagonisten, verleitet das Thema doch zu allerlei philosophischen Spekulationen, die in der verkürzten und etwas fragmentarisch geratenen filmischen Wiedergabe schnell zu Kalenderblatt-Weisheiten gerinnen. Bau- und Kunstwerke lassen Schaub über die grossen Themen der Existenz sinnieren: Raum und Zeit, Vergänglichkeit und Tod. Das Geheimnis der Architektur bleibt dabei weitgehend unberührt. Immer wieder aber leuchtet es verheissungsvoll durch die Bilder hindurch.

Kommentare

Urs Weber 21.04.2019 09:53
Mit der für die Stadt Stten üblichen Verspätung habe ich soeben diesen Film gesehen - und mich weidlich geärgert. - Was sollen die unzähligen akustischen Artillerie-Einschüsse ? - Welschschweizer lernen in der Schule deutsch. Aber sie lernen keinen alemannischen Dialekt. Der Film ist deshalb für Welschschweizer frustrierend. Warum konnten Peter Märkli und Peter Zumthor nicht deutsch sprechen? Beide sind das durchaus gewöhnt. - Die Montage fand ich chaotisch.
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