Eine algorithmische Kreatur des Künstlers Raven Kwok: die letzte Ausstellung im Zürcher MuDA

Das MuDA muss schliessen

Das Zürcher Museum für Digitale Kunst MuDA muss permanent schliessen. Gründe sind die Ausbleibende Einnahmen durch den Corona-Notstand, fehlende Kulturförderung und hohe Mietkosten.

«Schweren Herzens kündigt das Museum of Digital Art nach bald fünf Jahren erfolgreichem Betrieb seine Schliessung auf Ende Juli 2020 an», schreibt Co-Direktor Christian Etter heute. «Ausbleibende Einnahmen durch den Corona-Notstand, fehlende Kulturförderung und hohe Mietkosten bereiten dem gemeinnützigen Projekt ein frühzeitiges Ende.» Das MuDA startete im Frühjahr 2016 nach dem es den Umbau des Erdgeschosses des Herdern-Hochhauses in Zürich dank einem Crowdsourcing-Aktion finanzieren konnte: Über 100’000 Franken wurden aus der ganzen Welt gespendet um Europas erstes physisches Museum für digitale Kunst zu eröffnen. «Über die nächsten Jahre folgten zehn wegweisende, durch einen Algorithmus kuratierte Ausstellungen», schaut Etter zurück. «Nationale und internationale Künstler, von Zach Lieberman bis zu Vera Molnar, zeigten auf den 400 Quadratmetern in Zürich West ihre einzigartigen Werke mit digitalem Herzschlag.» Zusammen mit Volksschulen, Universitäten und der ETH baute das Museum für Digitale Kunst zudem ein breites Bildungsangebot auf, mit kostenlosen und günstigen Kursen für Kinder, Berufstätige und Pensionäre.

 
Wie alle Schweizer Museen, musste das MuDA am 16. März dieses Jahres den Betrieb pausieren. Diese wegen der Corona-Pandemie nötigen Massnahmen stoppten alle Besuchereinnahmen. Einnahmen, welche im Fall des MuDA über die Hälfte der Betriebskosten decken. Die vergleichsweise hohe Unabhängigkeit von öffentlichen Geldern wurde dem Museum zum Verhängnis. Die Stadt Zürich sprach zwar im letzten Jahr Fördergelder von 8000 Franken – 3 Prozent von MuDAs Gesamtbudgets. Eine kontinuierliche Förderung war nicht gegeben. Der Kanton Zürich, der vor der Eröffnung laut Christian Etter seine Unterstützung zusagte, sprach während der gesamten Betriebszeit keine finanzielle Hilfe zu.

Die Zürcher Migros-Genossenschaft, Vermieterin des Museums, offerierte wegen der bundesrätlich verordneten Schliessung eine Monatsmiete. Da der Lockdown länger dauerte, die Besucher seit der Wiedereröffnung im Mai nur spärlich zurückkamen und die Mietkosten gut einen Drittel der Gesamtkosten des MuDA ausmachen, tilgte der bleibende Mietaufwand alle finanziellen Reserven des Non-Profits.
 
Mit dieser finanziellen Realität konfrontiert, entschieden sich die zwei Gründer, Caroline Hirt und Christian Etter, den Mietvertrag zu kündigen, um einer Insolvenz zuvorzukommen: «Es tut weh angesichts unseres langjährigen Aufbaus diesen kurzfristigen Entscheid fällen zu müssen. Noch während die Schulen geschlossen waren brachten wir in unseren Corona Creative Classes über 400 neugierigen Kindern die Schönheit algorithmischer Kunst, der Programmierung und des Engineerings bei. Die digitale Technologie hat grossen Einfluss auf unsere Gesellschaft eingenommen. Es bräuchte solche öffentliche, physische Orte um sich kreativ, vielseitig und inspirierend mit ihr auseinanderzusetzen, statt sie nur für passiven Konsum zu nutzen. Ein Kapitel schliesst sich, aber unsere Leidenschaft für die digitale Kreation bleibt. Wir danken allen, die uns während diesen fünf Jahren auf unterschiedlichste Weisen auf diesem Abenteuer unterstützt haben, wir sind äusserst stolz auf das Erreichte.»

Am 19. Juli wird das kleine Museum seine letzte Finissage halten. Bis dahin operiert das Museum in reduziertem Betrieb, ist jeweils Samstags, Sonntags und Montags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Die letzte Ausstellung zeigt die hypnotisierenden Werke von Raven Kwok, einem jungen Künstler aus Shanghai.

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