Burghölzli 1865, Stich

Burghölzli: Bau- und Medizingeschichte

Ein Buch setzt der Klink ein Denkmal, das Kunst mit Medizin-, Bau- und Sozialgeschichte verbindet.

Als vor 150 Jahren in Zürich lange Diskussionen über den Neubau einer psychiatrischen Klinik entbrannten, waren sich die Exponenten uneins, ob die «Anstalt» zuoberst auf dem Hügel in Riesbach gebaut werden soll, oder in der Talsenke unter der «Burgwies». Gegen die Position auf dem Hügel gab es Einwände, denn der Ausblick auf den glitzernden See könnte die Patienten noch schwermütiger stimmen. Schliesslich gaben die Kosten den Ausschlag für den Standort. Staatsbauinspektor (Kantonsbaumeister) Johann Caspar Wolff bekam 1862 den Planungsauftrag, dessen Resultat unter anderem Gottfried Semper begutachtete. Mit etwas weniger Giebeln und Vorsprüngen wurde der Bau dann 1864 bewilligt. Er kostete 2,2 Millionen Franken. Der Kern der fünf Jahre später bezogenen Anlage ist bis heute erhalten, allerdings mehrfach erweitert. Die Umfassungsmauer, die die Anlage rund hundert Jahre zur geheimnisvollen «Spinnwinde» machte, wurde erst in den späten 1960er-Jahren abgebrochen.

Das Buch schildert aber nicht nur die Bau- und die eng damit verknüpfte Psychiatriegeschichte, die so berühmte Namen wie Bleuler, Jung oder Forel, prägten. Über ein Dutzend Autorinnen und Autoren beleuchten die Zusammenhänge zwischen Psychiatrie und Architektur, darstellender Kunst, Literatur und dem gesellschaftlichen Umfeld.

Drei Autoren setzen sich speziell mit dem Themenkreis Psychiatrie und Architektur auseinander. Städtebau-Professor Jörg Stollmann fordert: Wir sollten Anstalten machen, Baumprogramme und Architekturen für die Kliniken der Zukunft zu entwickeln. Daniel Liebeskind, der in Israel eine Klinik für Kriegstrauma-Patienten baut, fordert Poesie im Klinikbau, nur dann sei er gesundheitsbejahend. Philipp Ursprung setzt sich mit der Stararchitektur auseinander und attestiert ihr einen Zwang, Aufmerksamkeit zu erregen. So verliere sie die Beziehung zur Vergangenheit und bilde auch keine Basis für das, was später kommt. Hier stellt er den Bezug zu den Aussagen des französischen Soziologen Alain Ehrenberg her, der die Individuen heute als derart überfordert und belastet sieht, dass sie Depressions-gefährdet sind. Die Star-Architektur trage ebenfalls zu dieser Entwicklung bei.

Das Buch ist durch fünf Bildersequenzen gegliedert, in denen der Künstler und Fotograf Hans Danuser seine «Burg aus Holz» in unterschiedlichem Licht und aus unterschiedlichen Perspektiven zeigt – die «Burg aus Holz» als Verballhornung des «Burghölzli».

Wulf Rössler und Hans Danuser (Hrsg.) «Burg aus Holz», Verlag Neue Zürcher Zeitung, 240 Seiten, Fr. 68.–

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