David Attenboroughs neuer Film beginnt nicht im Dschungel, sondern in den verlassenen Häusern von Tschernobyl.

Attenboroughs Humanität

Er hat ein Leben lang Tiere und Pflanzen beobachtet. Nun wendet sich der 93-jährige David Attenborough mit einem eindringlichen Appell an die Menschheit – und damit auch an die Architekten.

David Attenborough ist eine lebende Legende. Wer kennt die Stimme nicht? Er drehte Tierfilme für Erwachsene, weil er die Zusammenhänge hinter den knallbunten Vögeln, geschmeidigen Leoparden und singenden Walen erklärte. Weil er die Natur nicht verniedlichte, sondern sie bestaunte. Weil er ihrer atemberaubenden Schönheit mit englischem Humor, Neugierde und Vernunft begegnete.

Mit 93 Jahren erhebt der Naturfilmer seine Stimme noch einmal. Diesmal aber geht es ihm um mehr. Nämlich um alles. Um uns. Der Dokumentarfilm «A life on our planet», der in diesen Tagen auf Netflix anläuft, beginnt und endet in Tschernobyl, der Stadt, die sich die Wildnis zurück erobert hat nach der Reaktorkatastrophe. Entlang seines langen Lebens berichtet Attenborough, wie die Menschen der Natur immer mehr entrissen und sie in ein gefährliches Ungleichgewicht gestürzt haben. «Es geht nicht darum, den Planeten zu retten», so der Engländer. «Es geht darum, uns selbst zu retten.»

Doch Attenborough will nicht zu schwarz malen. Im letzten Teil des Films zeigt er mögliche Wege aus der Ressourcen- und Klimakrise: Hochhäuser wachsen wie Bäume in den Himmel, Windkraftwerke drehen sich über Büffelherden, Erntedrohnen surren durch Urwald. Die Symbiose mit der Natur, in der wir gezwungenermassen während Jahrhunderttausenden gelebt haben, ist möglich. Und zwar mit Low- und mit Hightech, so Attenborough. Der Film ist ein ergreifendes Plädoyer eines 93-Jährigen, der der Menschheit ein letztes Mal ins Gewissen redet. Er ist das Testament einer Person, in deren Lebensspanne die Welt fast zerstört wurde. «Wer sonst sollte ihn sehen?», fragt der Film am Ende. Wir alle.

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Kommentare

Horst Eisterer 09.10.2020 17:23
„Hochhäuser wachsen wie Bäume in den Himmel“ - nicht im Ernst, und er redet von Ökologie ...
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