Köbi Gantenbein applaudiert und meint dennoch: «Was die Bergler durchgesetzt haben, ist ein grosser Skandal.»

Zweitwohnungen und Seilziehen

Nach langem Hin und Her hat der Bundesrat die Verordnung erlassen, die die Zweitwohnungsintiative regeln soll, bis das Parlament ein Gesetz erlassen haben wird. Was ist davon zu halten? Ich applaudiere – klammheimlich – , dass die Politiker, Baumunis und Kurdirektorinnen der Berggebiete im Stande sind, ihre Interessen durchzusetzen. Natürlich: Was die Bergler durchgesetzt haben, ist ein grosser Skandal. Sie kümmern sich in keiner Art um den Ausgang einer Volksabstimmung.

Ich applaudiere – klammheimlich – , dass die Politiker, Baumunis und Kurdirektorinnen der Berggebiete im Stande sind, ihre Interessen durchzusetzen. Im Abstimmungskampf konnten sie das nicht und überliessen ihn – sehr zum Wohl des Resultats – den überforderten und wetterwendigen Grünliberalen. Nach dem 13. März jammerten sie laut und schmiedeten hinter dem Jammertal Allianzen. Wir sehen: Sie können Macht organisieren und Ziele erreichen. Ich bin im Gebirge zu Hause und finde einen Seilzuggewinn von meinesgleichen grundsätzlich wichtig und schön. Natürlich: Was die Bergler durchgesetzt haben, ist ein grosser Skandal. Sie kümmern sich in keiner Art um den Ausgang einer Volksabstimmung. Und was sie zusammengenagelt haben, bringt den Heldentenören in der Bau-, Boden und Spekulantenwirtschaft kurzfristig allenfalls einen Geldschub. Aber keine Aussicht. Es werden noch ein paar hundert Quadratmeter verschwinden im Unsinn von Zweitwohnungsblöcken. Die viele Energie, die das Schmieden dieser Macht gekostet hat, wäre viel besser angelegt im Entwickeln von Wegen und Formen des Fremdenverkehrs, den das natürliche und soziale Gefüge der Alpen ertragen kann und mittragen will. Und so ist auch eine leise Wehmut: Es gab eine Zeit der Übereinstimmungen von Macht und Inhalt, als der Politikerreigen von Peter Bodenmann, Andrea Haemmerle, Werner Marti, Fabio Pedrina, Alf Arnold, Andreas Weissen, Franz Steinegger & Co nicht nur einen Macht- und Gestaltungsanspruch der Alpenregionen durchsetzen konnten, sondern diesen auch inhaltlich mit Fortschritt, Aufbruch und Aussicht zu verbinden im Stand wahren – in der Verkehrspolitik zum Beispiel.Ein Reigen dieser Kragenweiten fehlt heute. Silva Semadeni, die tapfere SP-Nationalrätin aus Graubünden, ist allein auf weiter Flur. Ihre nationale Partei lässt nur wenig mehr verlauten zur Alpenpolitik. Im Wallis hantieren dafür CVP Machos, i...
Zweitwohnungen und Seilziehen

Nach langem Hin und Her hat der Bundesrat die Verordnung erlassen, die die Zweitwohnungsintiative regeln soll, bis das Parlament ein Gesetz erlassen haben wird. Was ist davon zu halten? Ich applaudiere – klammheimlich – , dass die Politiker, Baumunis und Kurdirektorinnen der Berggebiete im Stande sind, ihre Interessen durchzusetzen. Natürlich: Was die Bergler durchgesetzt haben, ist ein grosser Skandal. Sie kümmern sich in keiner Art um den Ausgang einer Volksabstimmung.

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