Hochparterre Chefredaktor Köbi Gantenbein

Vals: Der Zuckerbäcker und der Architekt

Wie im Märchen: Ein junger Bänkler zog aus Vals in die Fremde und brachte es mit allerhand Immobilienhandel zu Vermögen — zum Beispiel mit den Brachen der zusammengekrachten Swissair. Nun kehrt Remo Stoffel, wie einst die Zuckerbäcker aus Venedig ins Engadin, heim ins Bergdorf, um sein Können und sein Geld zu zeigen und die Therme zu kaufen.

Der Neoliberalismus ist in Vals angekommen. Die Therme müsse, hört man, privatisiert werden. Doch dies wird den Ort markant verändern. Denn statt des trägen volkseigenen wird das schnelle private Kapital regieren. Als 1989 andernorts der Sozialismus unterging, entstand nach Brauch der Valser im Gemeinwerk auf einer zusammengebrochenen privaten Spekulation die Therme. Das volkseigene Kapital, gespiesen unter anderem aus dem Wasserzins aus dem Zerfreila-Stausee, hat Bad und Hotel wachsen lassen. Mit guten Erträgen. Drei Millionen Franken beträgt der Cashflow jährlich. Mit der ökonomischen Grundlage der Therme hängt deren architektonische Güte zusammen. Sie ist mehr als ein Wurf eines guten Architekten. Peter Zumthor realisierte ja nicht nur den gelobten Bau. Er arbeitete über Jahre mit den Verantwortlichen der Therme an einem Massstab, wie das Ganze und seine Teile zusammenspielen sollen. Mal in Konflikten, mal in Harmonie — wie im richtigen Leben. Entstanden ist Güte aus einem Guss, vom Geländer im Bad bis zur Weinkarte im Restaurant, angeregt von einem Architekten, geprägt von Menschen in Hotel, Bad und Gemeinde, getragen von uns Kurbadenden. Wegen solcher Güte, querdurch und verlässlich, reisen wir nach Vals. Solche Güte braucht träges Kapital, am besten volkseigenes. Auf dem Tisch der volkseigenen AG liegt nun neben dem Angebot des Zuckerbäckers eines von Investoren rund um Peter Zumthor. Ein spannendes Badkapitel ist aufgeschlagen: Gewinnt das rastlose Kapital des Zuckerbäckers, das das Bad in einen «Judihui-Schabernack» für schnelle Rendite verwandeln wird, oder ist ein guter Architekt auch ein geschickter Kapitalist? Lassen wir die Fragen, reisen wir nach Vals und baden....
Vals: Der Zuckerbäcker und der Architekt

Wie im Märchen: Ein junger Bänkler zog aus Vals in die Fremde und brachte es mit allerhand Immobilienhandel zu Vermögen — zum Beispiel mit den Brachen der zusammengekrachten Swissair. Nun kehrt Remo Stoffel, wie einst die Zuckerbäcker aus Venedig ins Engadin, heim ins Bergdorf, um sein Können und sein Geld zu zeigen und die Therme zu kaufen.

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