So oder ähnlich – und gewiss höher – soll der Turm von Vals aussehen. Fotos: MIR

Vals braucht Holz- nicht Hochhäuser

In den Sonntagszeitungen waren Renderings für den Hotelturm der Therme Vals zu sehen. Drei Spekulationen über das Leben im Berggebiet, das solche Luftsprünge ermuntert.

Die «SonntagsZeitung» stellte eine Mischung aus Rendering und Cartoon auf die Frontseite, die vorführte, wie etwa der 380 Meter hohe Hotelturm für Vals werden soll; die «Schweiz am Sonntag» hatte eine Zeichnung vom Stand der Dinge Ende letzten Jahres organisiert. Die Ambition war schon nach dem verkachelten Wettbewerbsverfahren öffentlich: Das höchste Haus Europas soll in den Alpen zu stehen kommen, eines der fünf besten Hotels weltweit. 1000 bis 25 000 kostet ein Zimmer pro Nacht. Nun wissen wir, dass es auch ein «Business-Hub» für steinreiche Menschen aus Asien samt Entourage werden soll, inklusive Helikopterflugplatz. Wie das Vorhaben en detail aussieht, wird in gut einer Woche in New York der Weltöffentlichkeit vorgeführt, einen Tag darauf in Zürich und etwas später dürfen die Valserinnen und Valser sehen, was in ihrem Dorf gebaut werden soll. Doch ob von Morphosis oder von wem auch immer wie gezeichnet – Vals braucht allenfalls Holz- aber keine neuen Hochhäuser. Es gibt vier – das genügt. Es gibt keinerlei planerische und urbanistische Vernunft im Dörflein der weniger als tausend Seelen einen Turm zu bauen, geschweige denn einen geschäftlichen oder touristischen Grund. Das wissen die Promotoren Remo Stoffel und Pius Truffer gewiss besser als wir alle – der eine gilt als erfolgreicher Spekulant und Bauunternehmer in grossem Stil, der andere ist erfolgreich als Brecher und Verkäufer des Valser Steins. So bleiben drei Spekulationen. Die erste ist persönlich. Viele von uns aus den Bergen wollen auch einmal im Leben gross und stark sein im Unterland. Der eine wird Hochparterres Chefredaktor, die andern bauen das beste und höchste Hotel der Welt. Sind wir in der Stadt, ziehen wir gerne Schuhe an, die zu gross sind für unsere kleinen, das Klettern gewohnten Füsse. Tanzen wir mit ihnen über das Parkett – so sieht es eigenartig, aber nicht immer elegant aus...
Vals braucht Holz- nicht Hochhäuser

In den Sonntagszeitungen waren Renderings für den Hotelturm der Therme Vals zu sehen. Drei Spekulationen über das Leben im Berggebiet, das solche Luftsprünge ermuntert.

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