Der nicht mehr gebrauchte Stall Fotos: Ralph Feiner

Stallzeiten

Der nicht mehr gebrauchte Stall ist ein Markstein der Landschaft in den Bergen. Warum lieben wir ihn? Was tun mit ihm? Und warum hat der Stall nur eine Zukunft, wenn der Bauer ein Heuer und Viehzüchter bleiben kann? Und wie schön ist er doch, der zwecklos schöne Stall! Das alles und mehr beantwortete Köbi Gantenbein in einem Vortrag mit Gesang für ein Treffen von Regionalplanern, Landschaftsfreundinnen und Touristikern in Grüsch, die über die «Kulturlandschaft Prättigau-Montafon» nachdachten.

Endlos weit, zwecklos schön – ein Capriccio mit Gesang zum nicht mehr gebrauchten StallJüngst hat mich eine Zeitung gefragt, was mir die folgenreichste Erfindung der Menschheit scheine. Ich sprach: Es ist nicht Hochparterre, nicht das Rad und nicht das Schiesspulver – ich glaube, die wichtigste Erfindung der Menschheit ist das Heu. Es ist Gründer und Motor des Städtebaus und also der Kultur. Ohne Heu kein Vieh, ohne Vieh keinen Käse und kein Fleisch, und ohne Käse und Fleisch keine Montafonerinnen und keine Prättigauer und vor allem keine Stadt und kein Dorf, die ja nur funktionieren, wenn das Essen zu ihren Bewohnern transportiert und vielfältig gelagert werden kann. Im lebenden Tier zuerst, als erschreckte Milch im Käslager, gemetzget als Fleisch und getrocknet im Kamin oder tiefgefroren in der Truhe. Und das wiederum geht geht ja nur, wenn das Tier auch im tiefen Winter zu fressen hat – also Heu. Und wenn es der Bauer mit laufender Heuzufuhr dazu verführen kann, bei ihm zu bleiben, Milch zu geben, junge Kühe zu gebären und am Schluss Fleisch zu werden. Und zwischendurch Mist zu werfen, der das Gras sichert und erst dann braucht der Bauer das Rad, um das Heu vom Feld in den Stall zu bringen und schliesslich der Metzger das Messer, um die vom Heu genährte Kuh zu zerlegen.Kurz und gut – ich bin nach ausschweifendem Nachdenken sicher, dass das Heu der wahre Daseinsgrund unserer Kultur ist. Der ländlichen und der urbanen. Und weil das Heu und die Kuh zwingend einen Ort brauchen, wo sie zusammenfinden, damit die eine das andere verzehren kann und beide geschützt sind vor Wind und Wetter, ist der Stall so wichtig wie das Heu. Er ist die Zelle des Städtebaus und die Urform für alle Hütten, aus denen Städte geworden sind. Ohne Wissen um die Geschichte des Stalls und die Wirkung der genialen Erfindung dessen, der zum ersten Mal aus Gras Heu gemacht hat, ist jeder Disk...
Stallzeiten

Der nicht mehr gebrauchte Stall ist ein Markstein der Landschaft in den Bergen. Warum lieben wir ihn? Was tun mit ihm? Und warum hat der Stall nur eine Zukunft, wenn der Bauer ein Heuer und Viehzüchter bleiben kann? Und wie schön ist er doch, der zwecklos schöne Stall! Das alles und mehr beantwortete Köbi Gantenbein in einem Vortrag mit Gesang für ein Treffen von Regionalplanern, Landschaftsfreundinnen und Touristikern in Grüsch, die über die «Kulturlandschaft Prättigau-Montafon» nachdachten.

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