ortsüblich

Ortsüblich und mehr

Viele Baugesetze in den Gemeinden vertrauen einem Adjektiv: «ortsüblich». Einige lassen es einsam stehen, andere illustrieren es mit Vorschriften für Dachneigungen, Fensterformen, Farbtönen und Materialien. «Ich staune aber, wie viel Murks, Ächz und Würg trotz des sanften Wortes gebaut werden kann», schreibt Köbi Gantenbein. Lesen oder hören Sie die ganze Kolumne des Chefredaktors.

Viele Baugesetze in den Gemeinden vertrauen einem Adjektiv: «ortsüblich». Einige lassen es einsam stehen, andere illustrieren es mit Vorschriften für Dachneigungen, Fensterformen, Farbtönen und Materialien. Ich staune aber, wie viel Murks, Ächz und Würg trotz des sanften Wortes gebaut werden kann. Ich wundere mich, wie aprikosen- und zitronenfarbige Verputze unter diesem Wort hindurch schlüpfen können und wie ortsfremde Dachgauben oder vollkommen überspannt betonierte Garagen trotz des Adjektivs in den Ort gewuchtet werden können. Allein die Vorstellung, dass ohne den Paragrafen «ortsüblich» der gestalterische Überdruck vollends explodierte tröstet meine Melancholie. Ab und zu ist das Wort wohl der Retter in Not und kühlt den Übermut von Bauherren und die Designwut von Architekten. Doch hinter dem Trost und Anker «ortsüblich» lauert auch die gleichförmige Langeweile, die Einmittung und das Abwürgen von Um- und Neubauten, die einen Ort ortsunüblich bereichern würden. Es ist Zeit für einen Aufbruch, denn da und dort werden in der Schweiz zurzeit die Baugesetze revidiert. Man möge in diesen Revisionen doch nebst dem ortsüblichen Wollen das architektonische Können ermuntern. Dabei könnte gelten: Wer es nicht besser will und kann, soll sich alle Mühe geben, sein Haus ortsüblich zu bauen. Wer aber über den Ort wachsen will, muss mit seinem Projekt belegen, dass es dazu im Stande ist. Wer über die Schranke «ortsüblich» hinaus will, soll antreten vor der Baukommission der Gemeinde, die sich ergänzt mit Stimmen von aussen. Sind sie klug ausgesucht, so können sie sehr wohl zeigen und beurteilen, was ein guter Beitrag ist und was ein Schmarren. Sie tun das mit baukünstlerischen Argumenten, die weder mit Zahlen messen noch mit Gewichten wägen, aber ästhetisch urteilen. Mutig, streng und weltoffen. Nötig bleibt, dass die Baukommissionen schliesslich hinsteht...
Ortsüblich und mehr

Viele Baugesetze in den Gemeinden vertrauen einem Adjektiv: «ortsüblich». Einige lassen es einsam stehen, andere illustrieren es mit Vorschriften für Dachneigungen, Fensterformen, Farbtönen und Materialien. «Ich staune aber, wie viel Murks, Ächz und Würg trotz des sanften Wortes gebaut werden kann», schreibt Köbi Gantenbein. Lesen oder hören Sie die ganze Kolumne des Chefredaktors.

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