Köbi Gantenbein ist Chefredaktor von Hochparterre.

Ländlermusik und Architektur

Hans Hassler, grosser Könner am Akkordeon, hat die CD «Hassler» eben fertig. Er spielt Gassenhauer der Ländlermusik von Luzi Brüesch bis Kasi Geisser. Auf zeitgenössische Art. Seine Art ist die Art von zeitgenössischen Architekten Graubündens. Eine musikalisch-architektonische Beweisführung.

Vor mehr als fünfzig Jahren war Hans Hassler junger, virtuoser Handörgeler mit den «Hassler Buaba». Dann ging er ins Aus- und ins Unterland, wo er seit vielen Jahren lebt und arbeitet. Als Musiker für Theater, Film und Konzert und als Komponist. Zeitgenössisch. Immer hielt er – wie die meisten Emigranten – den Draht nach Hause. Auch als Musikant. Nun zeigt er auf seiner CD «Hassler», was geblieben ist und was einer wie er damit heute anstellen kann. Eigensinnig mit Ländlern, die die Freunde von Radio Beromünster selig erschrecken können. Er tut dies entlang von zwei Fäden. Mit dem ersten freut er sich, was die Gassenhauer von Luzi Brüesch, Kasi Geisser oder Paul Kollegger hergeben. Kräftige Rhythmen, einfache und lebhafte Phrasierungen und frohgemute Wiederholungen. Mit dem zweiten Faden führt er vor, was die Handorgel hergibt. Er spielt das Instrument schon seit Bub, dann nahm er es mit auf eine weite Reise in die Akademie und in die Welt und in die klassische, die freie und die Jazzmusik. Die Art, wie Hans Hassler mit drei Musikanten an Klarinette, Bassklarinette und Perkussion seine beiden Fäden verknüpft, erinnert mich an die Art von drei jüngeren Beispielen der zeitgenössischen Architektur Graubündens. Hassler taucht ein in die Tradition. Er zerlegt, was Bild ist und was Substanz und fügt sie überraschend neu zusammen. So wie es Pablo Horvath mit seinem subtilen Umbau des alten Lehrerseminars in Chur gelungen ist. Hans Hassler bürstet die Tradition nicht modisch gegen den Strich um lustiger Effekte willen; er stellt Tonfolgen um, ordnet Rhythmen anders und doch verwandt und gibt der Heiterkeit von Hans Fischers «Am Stieramarkt in Thusis» einen neuen und doch vertrauten Klang, so wie das Selina Walder mit ihrem Urhüttlein «Rifugi Lieptgas» am Fuss von Flims konnte, einen alten Strickbau in Beton giessend. Hassler krächzt, gurgelt, zwitschert mit seine...
Ländlermusik und Architektur

Hans Hassler, grosser Könner am Akkordeon, hat die CD «Hassler» eben fertig. Er spielt Gassenhauer der Ländlermusik von Luzi Brüesch bis Kasi Geisser. Auf zeitgenössische Art. Seine Art ist die Art von zeitgenössischen Architekten Graubündens. Eine musikalisch-architektonische Beweisführung.

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