Für 900 Mio. Franken soll ein vierarmiger Tunnel, der sich im unterirdischen Kreisel trifft, den Verkehr um den Zuger Stadtkern führen.

Kein Stadttunnel für Zug

In Zug wird am 14. Juni über den Stadttunnel abgestimmt – ein Projekt aus dem letzten Jahrhundert, das in diesem 900 Mio. kostet und den Autoverkehr fördern statt besänftigen würde. Sonderbar.

In Stadt und Kanton Zug tut sich Sonderbares. Hier glauben Regierung, Parlament und die bürgerlichen Parteien, dass man mit einem pharaonischen Projekt den Autoverkehr bändigen könne, der die Stadt plagt, ja ab und zu erstickt. Von allen Seiten fahren die Autos in das Städtchen. Die einen zwängen sich durch sie hindurch, die andern steuern auf einen der zahlreichen Parkplätze über und unter der Erde zu. Bin ich in Zug, denke ich, ich sei in Barcelona, wo es in den Stosszeiten ähnlich zu und her geht.Für 900 Mio. Franken soll nun ein vierarmiger Tunnel, der sich im unterirdischen Kreisel trifft, den Verkehr um den Stadtkern führen. Ein Wunderwerk des Tiefbaus für eine Verkehrspolitik aus dem letzten Jahrhundert. Während man weit herum schmerzlich gelernt hat, dass jede Verbesserung der Strasse fürs Auto nur den Verkehr antreibt, glaubt man in Zug noch andersherum. Und begleitet diesen Glauben natürlich mit begleitenden Massnahmen und schönen Bildern von Flaniermeilen und Strassenkaffees, von Langsamverkehr und Familienzonen. Viele dieser Ideen stehen in den Sternen. Der Tunnel aber wird wie ein Schwamm auf Autos wirken: Wie zügig geht es doch unter der Stadt von der einen auf die andere Seite vorwärts und wer will, kann beim Kreisel abzweigen und ist schon im Shoppingzentrum. Nur, irgendwo müssen die Autos ja unter die Erde tauchen und das passiert nicht draussen im Wald, sondern an der Gubel-, Aegeri- und Artherstrasse in der Stadt.Zug ist nur ein Beispiel für einen eindrücklichen Zeitgeist, der vor allem noch die bürgerliche Verkehrspolitik beatmet. Man meint mit grossen technischen Massnahmen ein wachsendes Problem bekämpfen zu können. Dabei haben vor allem die Menschen in den Städten gelernt, dass angenehmes städtisches Leben nur mit Verkehrssparen zu haben ist. Kurz: Man sollte auch in Zug aufhören, den Lebens- und Stadtraum – und der reicht in Zug ja weit...
Kein Stadttunnel für Zug

In Zug wird am 14. Juni über den Stadttunnel abgestimmt – ein Projekt aus dem letzten Jahrhundert, das in diesem 900 Mio. kostet und den Autoverkehr fördern statt besänftigen würde. Sonderbar.

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