Der Vortrag als Video.

Im Wohnzimmer der Gemeinde

Die Gesundheitsförderer haben es auf die Raum- und Dorfplanung abgesehen. Sie soll helfen, die gesunde Gemeinde herzustellen. Die zehn Gebote sagen wie.

Als Bub begann mein Tag oft mit dem Wort zum neuen Tag in Radio Beromünster. Kurz vor sieben Uhr sprach ein Pfarrer besinnliche Worte. Ich hörte ihm zu und trank meine Ovomaltine. Dann ging ich gestärkt auf den Schulweg. Zu Fuss und also gesund. Einmal führte der Radiopfarrer jeden Tag eines der Zehn Gebote auf. Sie kennen das: Keine anderen Götter haben, nicht stehlen, nicht lügen und nicht seines Nachbarn Frau begehren. Der Eindruck hält bis heute. Darum heisst mein Wort zum Abend die Zehn Gebote der gesunden Gemeinde. Das erste Gebot:

«Jeder Vorsatz braucht einen Masstab. Unserer heisst Gesundheit.»

Die Wissenschaft der Gesundheit hat herausgefunden, dass wir in unserem reichen Teil der Welt eine gesunde Gesellschaft sind wie nie. Noch nie in der Menschheitsgeschichte wurden Menschen so alt wie in der Schweiz. Viele werden sogar gesund alt. Gesundheit und Krankheit sind aber  vielfältig – wir sterben nicht mehr an Pest und Cholera, aber die Doktoren sagen: Zu viele haben zu früh einen Herzinfarkt, zu viele haben ein dunkles Gemüt und zu viele haben zu viel Cholesterin im Blut. Wir sollen deswegen unseren Lebensstil des Konsums rund um die Uhr überlegen, sagen sie, Stress meiden, Gemüse essen und wenig Schnaps trinken. Und die Doktoren sagen beim Adieu aus der Praxis: «Auch wenn alle Deine Werte gut sind, schau, dass Du nicht rund wirst aufs Alter, bewege Dich so viel Du kannst.» Jawohl, denke ich und sehe auf dem Parkplatz vor der Praxis das Auto des Doktors, mit dem er nach der Arbeit nach Hause fährt. Anstatt dass er zu Fuss ginge, gesund und schön.

Ich laufe viel im Alltag. Zu Fuss gehen im Alltag ist schön, es kostet nichts – kein Turngerät, kein Velo, keinen Hometrainer – ich kann einfach ein Bein vor das andere bewegen und fort geht’s zur Gesundheit. Ich kann so auch Lebenszeit sparen. Ich liege vergnügt aufs Sofa und lese, anstatt dass ich Freizeit hergebe fürs Joggen, die Gelenke plagend und die Muskeln katernd. Oder mit dem Velo, kopfunten, über die Landstrasse bloche am Feierabend.

Das Schwierige, wir tun das Naheliegende selten, präziser: Gut ein Drittel tut es gar nicht. Zu wenige Menschen schreiten die 8000 Schritte durch den Tag. So viele aber täten ihrer Gesundheit gut. Viele von uns tun es nicht nur nicht, weil sie bequem sind, weil sie keine Zeit haben, weil sie auf die Werbung der Autoindustrie hereinfallen und weil sie es nicht mehr gewohnt sind. Sie tun es nicht, weil der öffentliche Raum seine Schönheit für die Fussgängerin und den Fussgänger still und leise verliert. Ihr Gehen, Träumen, Schlurfen und Stehen verlieren den Ort und den Raum. Ihn für all das wieder einzurichten, ist nötig. Wie das geht, sagt das zweite Gebot mit:

«Du sollst das Kind ehren. Was gut ist für das Kind, ist gut für alle.»

Die Planerin und der Gemeindepräsident wollen Kompromisse finden, wenn sie den öffentlichen Raum planen und bauen. Dem Anspruch nach gutem Raum für den Fussgang, steht der Anspruch der freien Fahrt des freien Bürgers entgegen zum Beispiel. Zu selten in den Finten und Winkelzügen hin zum gemeinsamen Nenner sind die Kinder. Seltsam, denn in den Reden sagen Politiker gerne: «Kinder sind unsere Zukunft.» Und ich stimme dem zu: Kinder sind unbefangen und heiter, schwach und zart und sie sind lebensfroh. Also sehe ich es einfach: Öffentlicher Raum ist dann gut, wenn er den Kindern gefällt.

Ich sehe, das wenn ich aus meinem Stubenfenster schaue. Andrin, Mattia, Seraina und auf dem Arm von Claudia die munzige Lia sind meine Nachbarn. Sie tollen auf der Strasse herum, springen in den Brunnen und wieder heraus, gehen in den Laden, gehen in die Schule, wechseln vom Garten auf die Strasse. Sie bewegen sich voller Freude. Das ist für ihre Körperlein und Gemüter gesund. Natürlich fahren Autos vorbei, Velos und ungemein rassig die Traktoren – aber sie können es sich noch leisten zu rufen: «Hier sind wir. Da gefällt es uns.» Doch ab und zu erschrecke ich am Stubenfenster: Herrgott, das war knapp.

Also heisst das dritte Gebot:

«Willst Du gesunden öffentlichen Raum, frage das Kind. Höre seine Lieder, schaue seine Augen, achte seine Spielfreude, lies seine Angst und übersetze seine Phantasie in Verbesserung von Wegen und Plätzen.»

Übersetzt für den trockenen Alltag in der Planung und Gemeindepolitik heisst das: Wir können öffentlichen Raum so bauen, so herstellen, dass er Kindern gefällt und gut tut. Dass sie darin spielen wollen und können, lustig sein und unberechenbar. Nötig ist, sie zu fragen. Hingehen also und Andrin, Mattia und Seraina zuschauen. Und dafür sorgen, dass der öffentliche Raum so wird, dass sie ihn nicht verlassen müssen. Und dass bei Claudia mit der munzigen Lia auf dem Arm die Sorge um die zerbrechende Gesundheit ihrer Knöpfe nicht drückend werden muss, weil es immer mehr Autos gibt auf der Dorfstrasse – sondern weniger.

In erster Linie nötig ist dafür Sicherheit. Kinder werden das Wort nicht sagen, aber sie haben ein feines Gespür für die Bedrohungen ihrer Freiheit und Lust. Sie zeigen das auf Zeichnungen zum Beispiel. Darum sollen Wege und Plätze sicher gehalten oder wieder sicher gemacht werden für Kinder. Die Sicherheit der Dorfstrassen für die Kinder als Avantgarde aller Fussgänger ist heute vielerorts nicht mehr gegeben. Ich habe ab und zu Angst um Andrin, Mattia, Seraina, wenn ich aus dem Fenster schaue. Ich möchte, dass auch Lia, wenn sie in ein paar Jahren aus dem Arm der Mutter gesprungen ist, über die Dorfstrasse trolen kann. Wie der Präsident der gesunden Gemeinde das ganz konkret tun  kann, wissen die Verkehrsplanerinnen von «Fussverkehr Schweiz». Fragen sie die.

Wir aber sehen, dass selbst in den Dörfern Mütter mehr und mehr Mammataxi fahren. Die wenigsten tun das wegen der Bequemlichkeit der Knöpfe, sondern weil sie Angst um sie haben. Die Wege in der Siedlung müssen darum durchgängig sicher sein, nicht nur auf ausgezirkelten Schulwegrouten. 100 Meter schöner Fussweg und dann 50 Meter brandgefährliche Strasse nützen nichts. Für durchgängige Sicherheit haben die Verkehrsplaner Werkzeuge: Trottoirs, neue Wege, Zebrastreifen, Lichtsignale. Strassenverengungen, Berliner Kissen, um die Autos und Velos zu bremsen. All das ist nötig. Das Tiefbauen hat aber räumliche und finanzielle Grenzen. Ohne kritische Fragen an den Anspruch des Automobils, diesen selbstbewussten Herrscher über den öffentlichen Raum, geht es nicht. Doch das vierte Gebot will noch nicht dem Auto an den Kragen, es fordert Schönheit.

«Willst Du gesunden öffentlichen Raum, baue ihn schön.»

Es braucht nicht nur dem Massstab der Kinder angemessen sichere, es braucht schöne öffentliche Räume und Wege. Schönheit meine ich ganz praktisch – brauchbar, sinnvoll, nötig, abwechslungsreich, vertraut, harmonisch. Meine Schönheit geht von einem alten Bild aus: Die Stube soll Vorbild sein für den öffentlichen Raum. Der Platz und die Strassen als Stube der Gemeinde. Heimisch sein, wohl fühlen, vertraut sein – und sicher für alle. Ein vielseitiger Ort, wo man gerne ist. Nicht einseitig nur gut für den Transit der Autos, Velos und Traktoren, möglichst ohne Hindernis eingerichtet. Ein Ort für reges Leben also, ausgedrückt in Raum. Die Aussenräume der Dörfer aber werden immer mehr von Stuben zur Versammlung von Funktionalzonen; die Dorfzentren veröden, der Volg ist am Dorfrand, die Post ist zu, das «Rössli» geschlossen und wenn es freien Raum gibt, ist er ein Parkplatz. Zum Trost helfen uns dann die Gemeindepräsidenten mit einem Platz, der Begegnung stiften soll, wo sich niemand begegnen will. Und ratlos setzen sie dort ein Plätzli mit Brünneli und Bänkli hin, das niemand brauchen kann. Nützliche Vielfalt aber ist nicht nur für die Magerwiese und die Stube gesund, sondern auch für die Gemeinde. Darum heisst das fünfte Gebot:

«Wir müssen die Zeit zurückdrehen, um die gesunden Gemeinde vorwärts zu bringen.»

Mein Grossvater hiess Jakob wie ich. Als Schuhe hatte er schwarze halbhohe Stiefelchen mit Ösen an den beiden Seiten des Schafts, gerüstet für die schwarzen Schuhbändel. Ich sah meinen Grossvater nie ohne diese Schuhe. Schlief er auf dem Sofa nach dem Zmittag, hingen sie über die Lehne hinaus. Ein Paar für den Werktag und die Werkstatt, ein Paar für den Sonntag. Auf Hochglanz gebürstet. Und hatte er die Sohle abgelaufen, klebte der Schuhmacher eine neue an. Mein Grossvater war bis ins hohe Alter ein Fussgänger. Nicht weil ihm die kantonale Gesundheitspräventionistin eingebläut hatte, dass dies gesund sei, sondern weil er es gewohnt war, es für seinen Beruf brauchte und es ihm gefiel.

Bis ins 20. Jahrhundert war Graubünden ein Fussgängerland. Ein paar hatten ein Reitpferd, etliche Ross und Wagen. Aber während Jahrhunderten gingen die meisten zu Fuss. Darum sind unser Körper und Geist noch heute dafür eingerichtet. Und weil wir ihm mit dem Auto, dem Postauto, dem Zug und dem Flugzeug den Fussgang weggenommen haben, werden wir krank. Darum sagen die Doktoren – bewegt Euch, das ist gesund. Andersherum – es braucht noch hunderttausend Jahre bis die Sitz- und Autogesellschaft den Körper so eingerichtet haben wird, dass Sitzen und Fahren gesund sein werden. Darum bleibt uns nichts anderes übrig, als die Zeit zurückzudrehen, wenn wir gesund leben wollen. Und zu sein wie mein Grossvater – Fussgänger.
Mein Grossvater hatte ein spöttisch aristokratisches Lächeln. Er zog seine Augenbrauen nach unten und die Äuglein zusammen, das rechte mehr als das linke. So hätte er gelächelt, wenn eine schwitzende Frau im engen und bunten Papageienkleid um ihrer Gesundheit willen auf der Strasse vor seiner Werkstatt vorbei gerannt wäre. Das wir ihm fremd. Sport war etwas für Neumödische. Er aber war ein traditionsbewusster Schreinermeister in Jenaz im Prättigau. Hatte er in einer Stube ein Täfer zu montieren, so legte er auf den Brückenwagen alte Wolldecken und darauf das Täfer, das er mit Riemen anschnallte. Dann zog er den Wagen über Land, teils stotzig hinauf, montierte das Täfer und lief wieder nach Hause. Unterwegs traf er den und jenen, sie sprachen über Holzpreise und das Wetter. Das zu Fuss gehen fördert die Begegnung, Das sei gut für die Gesundheit der Seele, sagen deren Doktoren.
Mein Grossvater begann seinen Beruf 1916. Später hatte auch er einen Spediteur und schickte seine Schreinermonteure mit dem Auto. Ich kam 60 Jahre nach meinem Grossvater zur Welt und war in den Sechziger Jahren noch mit ihm unterwegs. Zu Fuss zu Kunden. Mit dem sprach er über den Holzpreis, mit jenem über das Wetter und mit mir über die Schulnoten. Er ein wohlhabender Mann geworden. Und ein gesunder. Ein Fussgänger. Ohne privates Auto Zeit seines Lebens. Darum heisst das sechste Gebot:

«Wer weder dem Doktor noch der Gesundheitspräventionistin glaubt, soll meinem Grossvater glauben: Fussgang ist gesund.»

Mein Grossvater wurde 102 Jahre alt und war Fussgänger bis in seine letzten Tage, an denen er mit kleinen Schrittchen im Altersheim von Klosters unterwegs war. Ohen Rollator. Dafür war er zu stolz. Ich habe die Schönheit des Fussgangs im Alltag von ihm gelernt. Auch wie gut es ist, diesen mit Nutzen zu verbinden. Ich bin nicht Schreiner wie er, sondern Schreiber. Statt mit dem Brückenwagen auf Montage zu laufen, laufe ich durch die Landschaft und schreibe meine Texte in den Kopf, frage einen Schmetterling, wenn ich nicht weiterkomme oder eine Grille, wenn ich ein Wort nicht finde. Die Zeit zurückdrehen heisst, für die Schönheit, Brauchbarkeit und Gesundheit des Fussgangs im Alltag trommeln.
Doch wir wissen, dass Aufrufe an den Willen des Einzelnen politisch nötige Taten vernebeln können. Das heisst: Wir müssen auch etwas tun, um den Mitbewerbern des Fussgangs um unser Vorankommen – dem Velo, dem Auto, dem Postauto, der Eisenbahn und dem Flugzeug etwas Reiz wegzunehmen. Und so sagt das siebte Gebot dessen, der es ernst meint mit der Gesundheit als Teil des Alltags:

«Das Auto muss im Schritttempo durch den öffentlichen Raum fahren. Denn der Schritt ist das Mass der Fussgängerin. Die Langsamkeit ist ihr Lebensgefühl.»

Das siebte Gebot fordert nicht, was nötig wäre: Gesund wäre weniger Autos statt immer mehr. Ich getraue mich nicht, solches zu fordern. Ich biete dafür an: Tempo 30 innerorts ist gut und recht, aber es ist zu schnell. Meinen wir es ernst mit dem Fussgang als Elixier fürs gesunde Leben, so soll in den Dörfern Schritttempo gelten für Autos und Traktoren. Statt das Vermögen der Maschine, soll innerorts durchwegs der Massstab des Körpers gelten.

Doch dazu ist der Weg noch weit. In Landquart zum Beispiel gibt es die Schulstrasse. Dort stehen wie der Name sagt die grossen Schulhäuser. Die Autos aber dürfen 50 fahren, wo viele Kinder sind. Ich finde, das ist falsch und ungesund. Auch 30 wäre zu schnell – Schritttempo ist richtig.

Auch für Velos – denn, Gantenbein, schaue auf Dein Knie. Dort hast Du eine grosse Narbe. Als Du acht Jahre alt warst, hat Dich Hanspeter Pitschi mit seinem Velo in der Rüfigasse in Malans über den Haufen gefahren. Vor ein paar Jahren hat Dich auf einem Fussweg in Zürich wieder ein Velo überfahren, Dir die Rippen brechend. Bedenke: Ein Auto hat Dich noch nie zu Boden geworfen.

Dennoch und trotzdem ich zweimal überfahren worden bin, heisst das achte Gebot:

«Velofahren ist auch gesund. Du sollst dem Velo genug Raum geben.»

War mein Grossvater Fussgänger, so war mein Vater Velofahrer. Er fuhr mit dem roten Mittelholzer-Velo von Malans nach Landquart ins Depot der RhB, wo er auf die Lokomotiven stieg, um mit dem Zug durch den Kanton zu fahren. Bis in die Sechziger Jahre war das Velo das Arbeiterfahrzeug schlechthin. Das Velo baute die Bewegung in den Alltag ein, die heute die Velofahrer in ihrer Freizeit nachholen. Ein gesundes Vergnügen, das an Beliebtheit stark gewinnt. Die Kurdirektoren wenden seit ein paar Jahren viel Mühe auf, Velofahrer als Gäste für Graubünden zu gewinnen. Eingepackt wie Cervelats brausen sie elektrisch angetrieben in ihren windschlüpfrigen Kostümen über die Wege und jagen uns Fussgänger über die Böschung eines Wegs hinunter. Braucht also das Velo, damit wandernde Fussgänger und brausende Biker Freude an ihrer wachsenden Gesundheit haben, mehr eigene Wege? Wenn wir für Velos mehr sichere Fahrbahnen einrichten, dann auf Kosten der Autos und nicht auf Kosten der Fussgänger und der noch weglosen Landschaft. Auch das spricht für das siebte Gebot: «Im Dorf gilt für alle das Schritttempo, der Massstab des Fussgangs. Auf dem Wanderweg gilt der auch. Grundsätzlich und immer.» Ich will nun aber nicht weiter polizeiliche Gedanken wälzen, darum heisst das neunte Gebot:

«Soll der öffentliche Raum gesund sein, musst Du für ihn einen gesellschaftlichen Sinn finden. Er braucht Arbeit. Die Menschen müssen Lust und Sinn darin sehen, sich zu Fuss in ihm zu bewegen.»

Immer mehr Dorfkerne verlieren ihre Arbeit. Die Poststelle ist Geschichte, der Bäcker schon lange pensioniert, die Wirtschaft geschlossen und den Dorfladen halten wir mit viel Aufwand am Leben – auch der Volg ist nun online. Wer soll da warum gesund zu Fuss gehen im Alltag? Öffentlicher Raum aber ist dann gesundheitsfördernd, wenn er eine vielseitigere Arbeit hat als nur Durchgangsraum für den Verkehr zu sein.

Darum schlägt das neunte Gebot zwei Ideen vor, um den Raum im Dorf vielseitig zu beschäftigen.

Die erste nimmt die Digitalisierung auf, die der Grossrat unseres Kantons nun ja mit 40 Mio ankurbeln will. Digitalisierung im Dorf heisst zum Beispiel, dass immer mehr Lieferwagen von United Parcel Service und Fedexpress mit all den Päckli von Zalando und Amazon durch die engen Strassen fahren. Sie sollen das nicht mehr tun, sondern die Päckli im Volg zentral lagern, wo wir sie abholen. Die Volgverkäuferin händigt sie aber nur dem aus, der zu Fuss kommt. So laufen wir von zu Hause zum Volg und tun gesunde Bewegung; wir reden mit dem und der, schauen den Schmetterlingen zu und fördern so die Gesundheit unserer Seele.

Die zweite Idee: Es gibt keine Parkplätze mehr im Dorf, sondern nur noch an seinem Rand. Wie in Zermatt oder Braunwald seit immer. Die Automobilistin geht zu Fuss zu ihrem Auto so wie ich zum Postauto. Sie läuft so von ihren 8000 täglichen Schritten schon zweimal 2000. Unterwegs trifft sie den und sieht das, grüsst den Hund von jenem und die Katze von der. Im Dorf aber hat es keinen Parkplatz mehr. Er wird Garten oder Magerwiese und die unsinnig hohe Investitionen für Untergrundgaragen sind unnötig. Und auch der ständig zunehmende Lärm geht zurück, was der Gesundheit der Seele gut bekommt, und Abgase gibt es auch viel weniger, was die Lunge gesund erhält.

Mit diesen zwei Spekulation zur rundum gesunden Gemeinde kommen wir zum zehnten Gebot fürs gesunde Leben in der Gemeinde. Es fasst die neun Vorgänger zusammen:

«Zu Fuss gehen ist gesund und schön. Darum: Kauft gute Schuhe, einen grossen Regenschirm und tut, was Euch gut tut. Geht zu Fuss.»

Diese Jakobsnotiz ruht auf der Aktion «Lebensraum Gemeinde: Bewegung und Begegnung für alle» des Gesundheitsamtes Graubünden. Zusammen mit den Gesundheitsfördererinnen war ich auf Reise durch den Kanton und referierte für Gemeidepolitiker und –planer im Oktober und November 2018 über das Herstellen von gutem öffentlichem Raum.

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