Klimaspuren ist in Genf. Lucie Wiget, Zoe Stadler, Köbi Gantenbein, Dominik Siegrist und Sylvain Badan haben das Abenteuer gestemmt. Und immer einen Schritt voraus Jaromir Kreiliger, zusammen mit Ralph Feiner der Fotograf der Expedition. Fotos: Annette Fluri

Die letzte Postkarte: In Genf

Nach 42 Tagen erreichen Klimaspuren Genf. Sie tunken die Füsse in den See und feiern ein Fest mit Fondue, Chorgesang und Blitz und Donner. Ein Festbericht mit persönlichem Fazit.

«... und am 12. Juli nachmittags tunken wir die Füsse beim Jet d’Eau, dem Wahrzeichen von Genf, in den See.» So sprachen Zoe Stadler, Dominik Siegrist, Lucie Wiget, Sylvain Badan und ich am 1. Juni auf der Plazza Cumin von Ilanz. Gestern taten wir, was wir damals sprachen. Gut 700 Kilometer dauerte unsere Fussreise – es ist erstaunlich, wie weit man zu Fuss kommt. 73 Veranstaltungen von Hausbesichtigungen, Kunstgesprächen, Theaterabenden bis zu Diskursen aller Art stellten wir auf die Beine, um uns und unsere Gäste nach acht Stunden Laufen zu belehren – Klimaschutz im Alltag ist möglich und es passiert viel landauf und landab.  Bei der Weltorganisation für Meteorologie in Genf entstehen weltweit massgebende Berichte zum Stand der Dinge. Omar Baddour ist der UNO-Beamte, der die Fäden beieinander hält. Klimaspuren übergab ihm ihr erstes Fazit zur Expedition. Wer es lesen möchte, findet den Text auf der elektrischen Zeitung «klimaspuren.ch».

Mein erstes, persönliches Fazit: Ich habe trotz der Wucht, mit der die Wohlstandsschweiz das Klima ruiniert, mein heiteres Gemüt behalten. Mich fasziniert aber, wie der lange Gang mein Wissen und meine Wahrnehmung verändert hat. Gehen öffnet die Augen, die Ohren und die Nase. Abstrakte Informationen über vertrocknende Wiesen, über überdüngte Felder, über die rasante Zunahme der Betonproduktion und des Luft-, Auto- und Lastwagenverkehrs und so weiter, kommen nah an den Körper heran. Beim Zotteln dachte ich: Die Langsamkeit des Wanderns ist eine ganz und gar unzeitgemässe Lebensform. Wir tun wir uns schwer mit dem Urteil zum Stand der Dinge. Denn wir haben Mühe, ihn wahrzunehmen und allenfalls anders zu handeln, weil wir gar schnell unterwegs sind. 

Dann: Ich wusste, dass ich körperlich recht gut beieinander bin, hatte aber Respekt vor den täglichen Achtstündern, den vielen Veranstaltungen und dem Amt, immer wieder Kümmerer, Bergführer und Kurdirektor unserer gut 700 Gäste zu sein, die einen oder mehrere Tage je mit uns waren. Ich bin dankbar und froh, dass kein ernsthafter Unfall geschehen ist und wie beschwingt alle Wanderinnen und Wanderer waren.

Mein Körper hat das Abenteuer gut bestanden, er hat harte Wädli, lederne Fussohlen und ist acht Kilo leichter. Und das Gemüt ist um eine künstlerische Erfahrung reicher. Die Klimawanderinnen Julie und Melanie und ich gründeten unterwegs «Klimaklänge» ein Gesangs-Trio, und wir feierten beim Fest der Klimaspuren im Bains des Pâquis von Genf die Welturaufführung des ersten Programms. Bald sangen alle mit, wir sassen dicht gedrängt unter einem grossen Dach, assen Fondue und tranken Weisswein. Über uns kesselte das Unwetter mit Blitz, Donner und Sturzbachregen und schaukelte Klimaspuren in die Vergangenheit. 

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