«In klarem Protest und heiterer Polemik»

Nach 35 Jahren Hochparterre hat sich Mitgründer Köbi Gantenbein pensioniert. Ein Rückblick auf sein Leben und Werk als Verleger, Journalist und Klarinettist.

Fotos: Giuseppe Micciché

Nach 35 Jahren Hochparterre hat sich Mitgründer Köbi Gantenbein pensioniert. Ein Rückblick auf sein Leben und Werk als Verleger, Journalist und Klarinettist.

Eine Woche Bedenkzeit brauchte Köbi Gantenbein. Dann sagte er Benedikt Loderer zu, mit ihm eine neue Zeitschrift für Architektur, Planung und Design zu erfinden. Ein paar Monate später, im November 1988, erschien die erste Hochparterre-Ausgabe. «Gegründet haben wir das Blatt aus Freude», erinnert sich Köbi, «Freude am Tun, am Schreiben, am politischen Wirken und an einer werdenden Freundschaft.» Mit Hochparterre wollten die zwei Journalisten das Feld der Architektur aufweiten. Es ging ihnen um Architektur als Politik, Manifestation, soziale Verpflichtung, Lebensraumgestaltung und Gesellschaftskritik. Dass Köbi einst im fernen Zürich eine Zeitschrift mitgründen würde, zeichnete sich keineswegs schon in seiner Jugend ab. Ganz im Gegenteil. Er gedachte, in seiner Heimat Graubünden zu bleiben, zu heiraten, einen Baum zu pflanzen und ein Haus zu bauen – und als Redaktor der ‹Bündner Zeitung› alt zu werden. Wenn Chefredaktor Hanspeter Lebrument ihn nicht ins Unterland zum Studieren geschickt hätte, wäre er wohl geblieben. Dafür ist er ihm bis heute dankbar, denn «das Leben und Arbeiten in der Welt ausserhalb Graubündens war eine Erleuchtung». Im Soziologiestudium schrieb er seine Arbeiten mehrheitlich über Raum- und Landschaftsfragen des Kantons Graubünden: über Erschliessungskonflikte von Seilbahnen oder die Geschichte des Tourismus. Benedikt Loderer schüttelt heute noch den Kopf, wenn er über Köbis Verbundenheit mit der Heimat spricht: «Die Identifikation mit dieser Bündnerei, das ist Köbi. Punkt. Er fühlt sich dort eingepflanzt und hängt am Ort und an seiner Familie. Das war mir immer fremd, aber es ist halt so.» Und es ist noch heute so. Was nicht heisst, dass Köbi im Bündnerland ein bequemer Zeitgenosse ist. So hat er massgeblich dazu beigetragen, dass Graubünden die Olympiapläne begrub, und unter seinen Texten findet sich auch die Anklageschri...

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?