Die Podiumsgäste: Jürg Meyer von der Anliker AG, Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner, Hochparterre-Redaktorin Rahel Marti, Architekt Remo Halter und Alex Willener, Leiter Kompetenzzentrum Regional- und Stadtentwicklung der Hochschule Luzern.

Hohe Häuser und kleine Visionen

Nach Olten und dem Glattal war auch der dritte Städtebau-Stammisch von Hochparterre in Luzern ein Publikumsmagnet. Das Stattkino im Bourbaki Panorama war bis auf den letzten Platz besetzt.

Nach Olten und dem Glattal war auch der dritte Städtebaustammisch von Hochparterre und Dyson Airblade in Luzern ein Publikumsmagnet. Das Stattkino im Bourbaki Panorama war bis auf den letzten Platz besetzt. Anlässlich der Präsentation des Sonderhefts «Luzern wird gross» wurde diskutiert, wie die wachsende Stadt ihre alten Qualitäten mit den neuen Stadtteilen verknüpft. Die Debatte war ruhig und sachlich, hitzige Stammtischgefechte gab es keine. Kleinere Wellen vermochte höchstens das Hochhaus zu werfen. Architekt Remo Halter bedauerte, dass die BZO Revision die Hochhausfrage auf ein paar Standorte beschränkt. «Die stehen etwas autistisch im Stadtbild.» Er hätte sich eine breitere Diskussion gewünscht. Ohnehin könne man erst ab 40 bis 50 Meter von Hochhäusern reden. Von «höheren Häusern», nicht Hochhäusern, sprach  auch der neue Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner, der seit 35 Tagen im Amt ist. Er schloss nicht aus, neben den Hochausgebieten auch an anderen Orten in der Stadt mit vielgeschossigen Gebäuden zu verdichten.

Damit war das zweite Schlagwort angesprochen: Verdichtung. «Dichte alleine ist keine Gewähr für ein vielfältiges, urbanes Leben», mahnte Alex Willener von der Hochschule Luzern. In der Stadt könnten noch so viele Hochhäuser gebaut werden, auf dem Land würden deshalb nicht weniger Einfamilienhäuser hingestellt. «Wir wissen alle, die Raumplanung wird nicht umgesetzt.» Luzern wächst und wächst. Mit der Fusion mit Littau hat die Stadt gar schon St. Gallen überholt. Doch zeigt die Stadt mit der BZO Revision genügend Biss, das Wachstum zu einer «starken Stadtregion» zu geleiten? «Die Stadt war lange passiv», meinte Remo Halter. Projektideen würden oft von aussen kommen. Die BZO Revision sorge nun für eine gewisse Aufbruchstimmung: «Wir wünschen uns eine aktivere Rolle der Stadt.» Auch Alex Willener vermisste eine klare Haltung der Stadt: «Wir brauchen eine gemeinsame Vision.» Zum Schluss wünschte sich Jürg Rehsteiner ein physisches Stadtmodell. Nur so könne man die Hochhausdebatte ernsthaft führen. Doch davon wollte ein Herr aus dem Publikum nichts wissen: «Luzern braucht keine Landmarks.» Nach dem vehementen Votum gegen das Hochhaus machten sich die Gäste auf, unter dem Bourbaki Panorama auf das Sonderheft anzustossen und mit Blick auf das französische Heer über Luzerns Hochhausambitionen zu sinnieren.

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