Die Redaktion des Bürgerradios Tayna Fotos: zVg

Hochparterre unterstützt Radio Tayna in Goma

Hochparterre äufnet zu seinem 25. Geburtstag einen Solidaritätsfonds. Die erste Ausschüttung geht an das Bürgerradio Tayna im Ostkongo. Judith Raupp berichtet, was die Hilfe bewirkt.

Im ersten Moment dachte Jacques Kakule, jemand halte ihn zum Narren. Eine Spende von 8'500 Franken? Das konnte nicht wahr sein, dachte der Chef des Bürgerradios Tayna. Woher sollte die Schweizer Zeitschrift Hochparterre wissen, dass es im äussersten Osten der Demokratischen Republik Kongo ein Radio gibt, das inmitten von politischem Chaos, Korruption und Gewalt um Meinungsfreiheit kämpft – und um seine Unabhängigkeit? Tatsächlich aber erlaubte sich niemand einen Scherz mit Radio Tayna. Hochparterre hatte bei der deutschen Organisation «Journalisten helfen Journalisten» angefragt, ob ihr ein glaubwürdiges Projekt bekannt sei. Die Hilfsorganisation schlug das Radio Tayna vor. Sie kennt die Medienmacher aus dem Kongo und vertraut ihnen.
Nun ist das Radio dabei, mit dem Geld aus der Schweiz ein Internetcafé aufzubauen. Eine Firma muss gegründet werden, Internet installiert und Computer gekauft werden. Die Idee dahinter: Mit den Einnahmen will die Redaktion den Radiobetrieb auf Dauer sichern. Im Kongo gibt es keine Rundfunkgebühren wie in der Schweiz, mit deren Hilfe sich die Medien finanzieren könnten. Zudem fehlen Unternehmen, die Werbung schalten. Denn in der Provinz Nord Kivu, in deren Hauptstadt Goma das Radio Tayna zu Hause ist, herrscht Dauerchaos. Milizen, kriminelle Banden, sogar Teile der Armee drangsalieren die Bevölkerung. Gefechte und Massenvergewaltigungen gehören zum Alltag. Auch die 20'000 Soldaten der Blauhelmtruppe der Vereinten Nationen ist machtlos. Die Konflikte drehen sich um politische und ethnische Auseinandersetzungen, um die Macht über die üppigen Bodenschätze und Landbesitz.
Radio Tayna erzielt im Moment nur sehr geringe Einnahmen aus den Werbespots einiger Hilfsorganisationen. Weil das Geld nicht reicht, kann Tayna keine Löhne bezahlen. Die Angestellten leben zum Teil von der Hilfe der Verwandten. Manche haben nicht einmal das Geld für die Kleider ihrer Kinder. Die Redaktoren laufen oft mehr als eine Stunde zum Interview, weil das Budget nicht für das Motorradtaxi oder die Telefoneinheiten reicht. Wenn die Stadt mal wieder keinen Strom liefert, fallen die Sendungen aus, weil das Benzin für den Generator nicht bezahlt werden kann. Die technische Ausrüstung ist armselig, bisher gab es nicht einmal einen Internetanschluss.
Das soll sich nun mit dem Internetcafé ändern. Und Jacques Kakule braucht sich nicht mehr mit den Politikern auseinandersetzen, die sein Radio kaufen wollen. Auch das ist gängige Praxis im Ostkongo. Weil die Medien kein Geld haben, lassen sie sich von den Mächtigen finanzieren und verbreiten Propaganda statt Information. Das Tayna-Team hat dieser Versuchung trotz widrigster Umstände  widerstanden. Denn, so betont Jacques: «Wir brauchen unabhängige, funktionstüchtige Medien, damit unsere Bevölkerung eines Tages in Frieden und Demokratie leben kann.» Die Spende von Hochparterre ist deshalb mehr als ein finanzieller Zustupf. Sie gibt dem Team Mut, weiterzumachen im Kampf um ein menschenwürdiges Leben.

* Die Journalistin Judith Raupp, 1964 in D-Lörrach geboren, schrieb bereits während ihres Ökonomiestudiums für eine Lokalzeitung. Später war sie als Redaktorin bei Schweizer und deutschen Zeitungen tätig, darunter zehn Jahre lang für die Süddeutsche Zeitung. Seit 2011 arbeitet sie im Auftrag einer deutschen Hilfsorganisation  als Medientrainerin in Goma, Ostkongo.

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