Die Gemeinden rund um die Birs wollen zusammenspannen. Aber wie? Fotos: Derek Li Wan Po

Der lange Weg zur Birsstadt

Die Idee der Birsstadt zieht an: Ihre acht Gemeinden wollen eine regionale Planungsgruppe RPLG gründen und das ETH Studio Basel liefert die städtebaulichen Konzepte.

Im Birstal bei Basel galt bis anhin: Jede Gemeinde für sich. Das soll sich ändern. Acht Gemeinden wollen eine regionale Planungsgruppe RPLG gründen und verleihen damit der Idee der Birsstadt Auftrieb. Gleichzeitig schlägt das ETH Studio Basel eine prägnante Stadtform vor mit Ringtram, zentralem Park, Boulevards und punktuelle Verdichtung. Der Weg in die gemeinsame Zukunft scheint also vorgezeichnet. Entsprechend hoch war das Interesse an Hochparterres Städtebaustammtisch unter der Leitung von Rahel Marti gestern Abend in Basel. Für Urs Hintermann, Gemeindepräsident von Reinach, ist denn auch klar: «Die Zeit ist reif.» Die Einsicht, dass man gemeinsam planen müsse, sei bei allen Gemeinden angekommen. «Die Zusammenarbeit wird belohnt», ergänzte Susanne Fischer, Leiterin der Raumentwicklung Kanton Basel-Stadt, und verwies auf das Agglomerationsprogramm des Bundes. Und Martin Kolb, Kantonsplaner Basel-Landschaft, gab sich ebenfalls zuversichtlich: «Die Birsstadt ist ein Pilotprojekt für viele Gemeinden im Kanton.» Auch die Idee des Ringtrams stiess rundum auf Zuspruch: Fischer bezeichnete den Vorschlag als «hervorragend» und Hintermann meinte: «Den Zusammenschluss fordern wir seit zehn Jahren.»

Alles schön und gut also? Nicht für Jacques Herzog vom ETH Studio Basel. Er wisse zwar, wie schwierig die Planung in der direkten Demokratie sei. Dennoch: «Warum geht es so lange?» Er forderte die Planer auf: «Pflanzt Bäume, setzt ein Zeichen!» Doch Hintermann will nichts überstürzen: «Alle müssen hinter der Idee stehen.» Das brauche Zeit. Was das Tram betreffe, liege der Ball beim Kanton: «Es braucht einen mutigen Schritt von oben.» Doch Basel-Landschaft hat offenbar anderes zu tun. «Die Tramschlaufe ist nicht zuoberst auf unsere Liste», sagte Kolb. Es hapert also beim Kanton – und an der Kantonsgrenze. Hintermann möchte gerne mit der Stadt Basel planen, doch die politische Grenze sei ein «grosser Graben». Auch in den Köpfen seien die Gemeindegrenzen nach wie vor wichtig, mahnte jemand aus dem Publikum. Doch Herzog schüttelte nur den Kopf: «Identität hat nichts zu tun mit einem Wall.»

Wie kommt man also weiter? Vielleicht im Kleinen. Herzog schlug vor, dass erst einmal nur zwei Gemeinden einen gemeinsamen Schritt gehen sollten. Auch Fischer verwies auf Schlüsselprojekte, mit denen man erste Erfahrungen sammeln könne. Und was will eigentlich die regionale Planungsgruppe RPGL? Diese muss sich laut Hintermann erst entwickeln. Bis Ende September sollen die letzten Gemeinden ihre Zustimmung geben. Und warum schlägt der Kanton nicht einen ersten Nagel ein? Raumplanung sei im wesentlichen die Moderation von Prozessen, meinte Kolb defensiv. «In Birsfelden versuchen wir aber eine Testplanung anzustossen.» Ob dieser Zurückhaltung riss Jacques Herzog erneut der Geduldsfaden: «Ihr müsst vorwärts machen und die Dinge beim Namen nennen.» Er sei überzeugt, dass die Mehrheit der Bevölkerung für ein Ringtram zu gewinnen sei. Doch der Architekt wird sich gedulden müssen. Bis aus dem Birstal die Birsstadt wird, dürfte noch viel Wasser den Fluss hinunter fliessen.


Hochparterre dankt Velux für die freundliche Unterstützung des Städtebaustammtisches.

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