Die Designerinnen Alix Arto und Emma Casella setzen auf ein starkes Netzwerk und die Weitergabe von Wissen, um die Verwendung von Schweizer Wolle zu fördern. Damit leisten sie wichtige Aufbauarbeit.
Zukunft spinnen
Die Designerinnen Alix Arto und Emma Casella setzen auf ein starkes Netzwerk und die Weitergabe von Wissen, um die Verwendung von Schweizer Wolle zu fördern. Damit leisten sie wichtige Aufbauarbeit.
Fotos: Nelly Rodriguez
Schafe sind bemerkenswerte Tiere. Sie können Menschen anhand von Fotos unterscheiden und Gesichtsausdrücke erkennen – Lächeln gefällt ihnen besser als Stirnrunzeln. Sie schliessen lebenslange Freundschaften, verfügen über ein Sichtfeld von mehr als 300 Grad und haben Emotionen wie Langeweile, Wut oder Glück. Seit Jahrtausenden nutzt der Mensch die Milch und das Fleisch des umgänglichen Tiers – und ausserdem die Wolle, früher auch ‹weisses Gold› genannt. Man sammelte sogar hängen gebliebene Flocken von den Büschen, um nicht das kleinste bisschen zu verlieren.
Von dieser Wertschätzung ist nicht mehr viel übrig. Schweizer Wolle wird heute tonnenweise entsorgt, verbrannt, kompostiert. Und auch in den europäischen Nachbarländern ist die Situation nicht viel anders. «Schon als Kind habe ich von dieser Verschwendung gehört. Darum wollte ich etwas tun», sagt Alix Arto, deren ungarischer Nachname eigentlich Szijártó lautet, «aber das kann niemand aussprechen». Gemeinsam mit der Tessinerin Emma Casella hat sie sich zum Ziel gesetzt, Schweizer Wolle wieder zu dem zu machen, was sie schon immer war: ein wertvoller Rohstoff, der an Qualität und Nachhaltigkeit kaum zu überbieten ist.
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Die beiden Designerinnen sitzen in einem Häuschen am Stadtrand von Lugano. Rundum ragen Bauprofile in den Himmel, dahinter liegt der Monte Brè. Emma Casella teilt sich den Raum mit weiteren Kreativschaffenden, bald zieht sie in ein neues Atelier. Sie streicht über ein Gestrick aus ungefärbter Wolle. Es fühlt sich kratzig an. «Die Wolle einheimischer Schafrassen ist perfekt ans Schweizer Klima angepasst. Darum werden ihre Fasern immer rauer sein als die von australischer Wolle: Temperaturschwankungen wirken sich auf das Haar aus», sagt sie. «Schweizer Wolle ist selten weich genug, dass man sie am Körper tragen könnte. Doch in der Architektur und im Design gibt es g...
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