Überall auf der Welt werden Besen geflochten, doch die Technik unterscheidet sich von Region zu Region. Fotos: Guillaume Musset

Wisch verliebt: Warum wir Besen schätzen sollten

Zwei Designerinnen haben die Tradition des Besenbindens erforscht. Das daraus entstandene Buch ist eine Liebeserklärung an ein – zu Unrecht – fast vergessenes Kulturgut.

In die Wohnung vieler Mittdreissiger zieht früher oder später ein neuer Mitbewohner ein: ein kleiner, gewiefter Staubsaugerroboter, der einen verspielten Namen wie etwa Rob-Otto erhält. Über die Stilfrage lässt sich streiten. Angesichts seines praktischen Nutzens jedoch gerät eine Schweizer Tradition weitgehend in Vergessenheit – das Fegen kommt uns abhanden. Das bedauert auch der Designer Jasper Morrison: «Von allen sogenannten niederen Tätigkeiten muss das Wischen respektive das Fegen die befriedigendste sein.» Und weiter: «Der Staubsauger auf harten Oberflächen ist ein armseliger Ersatz, der den Frieden der Anwendenden und aller Danebenstehenden oder -sitzenden stört.»   ###Media_2### Damit leitet er das Vorwort zur umfassenden und aufschlussreichen Recherche der beiden Designerinnen Flavia Brändle und Margrit Linder ein. ‹Im Besengebiet – Handbesen aus aller Welt› ist ein praktischer Atlas, der dem Besen auf die Spur geht. Und Spuren gibt es viele, sie reichen vom schwyzerischen Illgau bis nach Griechenland, Indien oder Ghana. Das Handwerk des Besenbindens hat in vielen Weltregionen Tradition, oft von Frau zu Frau weitergegeben. In der Schweiz binden nur noch wenige Flechterinnen in sich regional unterscheidenden Techniken Besen und Bürsten. Die Pfeifengrashalme auf Feuchtwiesen, die den Kühen zum Wiederkäuen zu borstig sind, eignen sich dafür besonders gut.   ###Media_3### Für ihr Buch haben Flavia Brändle und Margrit Linder mit denjenigen gesprochen, die das Handwerk beherrschen, und es sich von ihnen beibringen lassen. Beiträge verschiedener Fachleute reichern Kontextuelles zum Do-it-yourself-Wesen und zur ökologischen Wirksamkeit an. Die überraschenden Perspektiven und die kräftige Gestaltung von Studio Ufo und Jan Reimann befreien die Besen von ihrem verstaubten Image. Ein Katalog zeigt die schlichten Produkte des alltäglichen ...
Wisch verliebt: Warum wir Besen schätzen sollten

Zwei Designerinnen haben die Tradition des Besenbindens erforscht. Das daraus entstandene Buch ist eine Liebeserklärung an ein – zu Unrecht – fast vergessenes Kulturgut.

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