Schweizer Grand Prix Design 2026 verliehen
Die Grafikerin Ursula Hiestand, das Studio atelier oï, und Forscherin Simone C Niquille prägen das Schweizer Designschaffen. Dafür zeichnet sie das Bundesamt für Kultur (BAK) aus.
Ihre Arbeit wirkt in der Schweiz und darüber hinaus, resümiert das Bundesamt für Kultur (BAK) und vergibt, beraten von der Eidgenössischen Designkommission, den Grand Prix Design an die Grafikerin Ursula Hiestand, das Design- und Architekturstudio atelier oï sowie an die Designerin und Forscherin Simone C Niquille.
Ursula Hiestand
So dürften die meisten Schweizer*innen über 30 (oder wenigstens 35) für die Arbeiten von Ursula Hiestand ihr Portemonnaie geöffnet haben. Die Grafikerin gestaltete die Banknotenserie von 1976 bis 2000. Ihre Entwürfe für Informationssysteme schafften Orientierung bei den Zürcher Verkehrsbetrieben und im Centre Georges Pompidou. Und als Präsidentin der Schulkommission der Berufsschule für Gestaltung Zürich engagierte sie sich massgeblich für den Erhalt des gestalterischen Vorkurses.
Den Grand Prix Design erhält Ursula Hiestand (*1936) für ihr Lebenswerk: Das Atelier, das sie ab 1980 alleine führte, gründete sie 1960 mit ihrem Mann Ernst Hiestand in Zürich. Als eine der ersten Frauen in der Alliance Graphique Internationale (AGI) Schweiz nahm sie eine Pionierrolle ein. Die Eidgenössische Designkommission würdigt ihr Wirken als wegweisend für das moderne Schweizer Grafikdesign: «Die dort entstandenen Entwürfe wirken bis heute im öffentlichen Raum und trugen zur internationalen Verbreitung zentraler Prinzipien des ‹Swiss Style› bei.»
atelier oï
Für 35 kontinuierliche, und doch stets die Genregrenzen überschreitende, Jahre erhält das atelier oï einen Grand Prix Design. Internationale Bekanntheit erlangte das Studio zum Beispiel mit Projekten für die Expo.02 sowie mit Leuchtenentwürfen wie Allegro und Allegretto für Foscarini. Heute arbeitet atelier oï weltweit für Auftraggeber aus der Kultur-, Industrie- und Luxusgüterbranche.
Gegründet wurde das Designstudio 1991 von Aurel Aebi (*1966), Armand Louis (*1966) und Patrick Reymond (*1962). «Ihre einzigartige Verbindung von Handwerk, Materialforschung und poetischem Ausdruck, ihr interdisziplinäres Arbeiten sowie ihr Engagement in Lehre und kulturellem Austausch machen sie zu einer prägenden und inspirierenden Referenz für junge Gestalterinnen und Gestalter», begründet die Eidgenössische Designkommission den Entscheid.
Simone C Niquille
Simone C Niquille (*1987) arbeitet an der Schnittstelle von Design, Forschung und Lehre und gehört zu einer Generation von Gestalter*innen, die digitale Technologien nicht nur anwenden, sondern kritisch befragen. Ihre transdisziplinäre Praxis verbindet Design mit Architektur, Medienforschung, Philosophie und Anthropologie.
Die Eidgenössische Designkommission hebt hervor, «dass Niquille als erste Preisträgerin in der Kategorie Media & Interaction Design für eine hybride, transdisziplinäre Praxis steht, die gesellschaftliche Folgen digitaler Standardisierung, Vorurteile in Technologien und die Grenzen maschinellen Sehens thematisiert. Damit leistet sie einen entscheidenden Beitrag zu einem Designverständnis, das Technologie nicht als neutral, sondern als kulturell und politisch wirksam begreift und unsere Sicht auf die digitale Welt nachhaltig prägt.»