Produzieren heisst inkludieren

Hiesige Produkte entstehen oft in Sozialeinrichtungen. Der Industriedesigner Norbert Meier weiss aus Erfahrung, welche Chancen das birgt – und fordert ein Umdenken.

Fotos: Guillaume Musset

Hiesige Produkte entstehen oft in Sozialeinrichtungen. Der Industriedesigner Norbert Meier weiss aus Erfahrung, welche Chancen das birgt – und fordert ein Umdenken.

Wer heute einen Designentwurf produzieren lassen will, ist gefordert: Viele Arbeitsschritte finden nicht mehr in der Schweiz statt, weil sie zu viel kosten. Damit konfrontiert wurde auch der Industriedesigner Norbert Meier, als er vor Jahren einen Produktionsort für einen Entwurf suchte. Der Pfannenuntersetzer war zu kleinteilig für herkömmliche Schreinereien, die Stückzahl zu gering. Als Meier sich nach Alternativen umhörte, stiess er auf die Stiftung MBF in der Aargauer Gemeinde Stein, die Menschen mit Unterstützungsbedarf Wohnmöglichkeiten, Ausbildung und Schulung sowie Beschäftigungs- und Arbeitsplätze bietet. «Die Werkstatt bietet genau den richtigen Mix aus Automatisierung und Handarbeit», sagt er, «für einen konventionellen Betrieb sind solche Arbeiten wirtschaftlich kaum machbar.» Meier beauftragte die Stiftung damit, eine erste Serie herzustellen. ###Media_2### Der Pfannenuntersetzer aus Eichenholz, ‹Logs› genannt, ist mit einem besonderen Faltmechanismus ausgestattet, den Norbert Meier während seiner Studienzeit erfunden und entwickelt hat. Damit lässt er sich entweder auseinanderziehen oder dank versteckter Magnete zu einem Dreieck ausklappen. Das schlichte Objekt ist wertig und entsprechend langlebig. Kein Gadget, das man nur kauft, weil es aus einer sozialen Werkstätte stammt, sondern, weil es einfach gutes Design ist. Norbert Meier fand über Umwege zum Design. Ehe er in Aarau Industriedesign studierte, war er Elektromonteur, besuchte die Jazzschule und absolvierte eine Anlehre als Goldschmied. Seit knapp zwei Jahrzehnten unterrichtet er Produktdesign an der Hochschule Luzern. Er war Mitgründer des Basler Designstudios Tale, bevor er sich 2025 als Gestalter selbständig machte. ‹Logs› gehörte zu den ersten Tale-Projekten – und legte den Grundstein für eine besondere Zusammenarbeit. Denn die Stiftung MBF wandelte sich von der Auftragnehmerin...

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