«Ich hatte viel Glück in meinem Leben»: Aoi Huber Kuno in ihrem Zuhause in der Tessiner Gemeinde Novazzano. Fotos: Urs Walder

Hingabe ans Handwerk

Im Rückspiegel erzählt die Malerin, Illustratorin und Designerin Aoi Huber Kono (89) von ihrer Tätigkeit in Mailand und im Tessin. Eine Ausstellung würdigt aktuell das Œuvre der eigenständigen Gestalterin.

Ehe ich 1936 in Tokio zur Welt kam, arbeiteten meine Eltern zusammen. Mein Vater war Grafiker, meine Mutter Werbetexterin – dass eine Frau diesen noch wenig bekannten Beruf ausübte, war speziell. Während des Kriegs ging mein Vater als Journalist nach Indonesien, meine Mutter, meine Schwester und ich flüchteten in ein Fischerdorf. Es gab keinen einzigen Laden, und als die Fischer meinen Tokioter Dialekt erkannten, weigerten sie sich, mir ihren Fisch zu verkaufen. Das Leben dort war nicht leicht.  Eines Tages lasen wir in der Zeitung, dass mein Vater überlebt hatte und zurückkommen würde. Zuerst mussten alle Männer ins Straflager, da Japan den Krieg verloren hatte. Als ich 13 war, kehrten wir über mehrere Etappen nach Tokio zurück. Unser Haus stand nicht mehr. Später besuchte ich dieselbe Kunsthochschule, die mein Vater besucht hatte. Während der Hälfte der Zeit lernten wir Musik, in der anderen Hälfte hatten wir Fächer wie Architektur, Keramik, Malerei. Danach ging ich nach Stockholm, um das lateinische Alphabet zu studieren. Mein Vater war mit einem schwedischen Designer befreundet und wollte, dass ich die Welt kennenlernte. Als das Studium an der Kunsthochschule begann, war es dunkel und kalt, das Essen schmeckte nicht, und Schwedisch zu lernen, war schlicht unmöglich. Dafür liebte ich das Designstudium. Die Mensa sah aus wie bei Ikea: ordentlich organisiert bis zum Tablett. Sogar die Fleischbällchen waren ähnlich. Im Jahr 1961 flog ich nach Mailand, um an einem Grafikkongress teilzunehmen, zu dem mein Vater eingeladen war. Auch Max Huber und Bruno Munari befanden sich unter den Gästen. Als ich am Flughafen ankam, wartete Vater auf mich, zusammen mit Max – den ich sofort sympathisch fand. Als ich wieder in Stockholm war, riet mir mein Professor, das Studium abzubrechen. Ich hätte in Italien bessere Chancen, als Ausländerin sei es für mich fast unmöglich...
Hingabe ans Handwerk

Im Rückspiegel erzählt die Malerin, Illustratorin und Designerin Aoi Huber Kono (89) von ihrer Tätigkeit in Mailand und im Tessin. Eine Ausstellung würdigt aktuell das Œuvre der eigenständigen Gestalterin.

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