«An klaren Tagen kann man Mailand sehen»: Bruno Monguzzi auf dem Balkon seines Hauses in der Tessiner Gemeinde Meride. Fotos: Urs Walder

Eine universale Sprache finden

Im Rückspiegel erzählt der visuelle Gestalter Bruno Monguzzi (84), wie Kommunikation und Wahrnehmung seinen Werdegang prägten. Im Juni hat er den Schweizer Grand Prix Design erhalten.

In meiner Arbeit möchte ich eine Botschaft präzise vermitteln und damit einen Zweck erreichen. Sinn zu stiften, war mir immer wichtig. Dieser Wunsch reicht bis in meine Kindheit zurück: Mein Vater hatte seine Schreinerei bei uns zu Hause in Chiasso, und ich wollte immer mit ihm «arbeiten». Er war ein erfahrener, geschickter Möbelrestaurator. Mit den Besuchern sprach er oft Deutsch oder Französisch, und ich fühlte mich ausgeschlossen, weil ich nichts verstand. Der Wunsch, eine Sprache zu finden, die alle verstehen, muss schon damals in mir entstanden sein. Als Irene Bernasconi – eine Cousine meiner Grossmutter mütterlicherseits und eine Montessori-Pädagogin der ersten Stunde – mir von Esperanto erzählte, war ich fasziniert. Mit 15 Jahren zog ich nach Genf, um Grafik zu studieren – damals sprach man noch nicht von visueller Kommunikation. Aber ich wollte genau das wissen: Wie funktioniert Kommunikation? Wie Wahrnehmung? Warum sehen wir das, was wir sehen, so, wie wir es sehen? Meine Lehrer hatten keine Antworten auf meine Fragen, einige schienen nur an der Form, nicht an Inhalten interessiert zu sein. Ich fühlte mich fremd in Genf, schloss mein Studium mit einem Stipendium ab und ging nach London. Von internationalem Wirken und Tessiner Wurzeln  In London beschäftigte ich mich mit Prozessen der Wahrnehmung, besonders mit der Gestalttheorie. Ich entdeckte die Typografie der historischen Avantgarde: Futurismus, Dadaismus und Konstruktivismus. Und ich vertiefte meine Kenntnisse in Fotografie, einer Sprache, die mir universell erschien. Die Mittagspausen verbrachte ich oft in der Bibliothek. In der zweiten Ausgabe der Zeitschrift ‹Neue Grafik› entdeckte ich einen Artikel von Hans Neuburg über italienische Grafik, der Arbeiten von Studio Boggeri vorstellte. Sie faszinierten mich, und ich las, dass nicht etwa ein Grafiker das Studio leitete, sondern ein Musiker. Er...
Eine universale Sprache finden

Im Rückspiegel erzählt der visuelle Gestalter Bruno Monguzzi (84), wie Kommunikation und Wahrnehmung seinen Werdegang prägten. Im Juni hat er den Schweizer Grand Prix Design erhalten.

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