Auch Reste können Ressource sein: Der Hocker ‹Leftovers› besteht aus Holzabfällen.
Fotos: Ramona Hess
Einfallsreiche Resteverwertung: Ramona Hess stapelt Holzabfälle zum materialsparenden Hocker ‹Leftovers›.
Die originale Redewendung setzt Grosszügigkeit über Sparsamkeit: Nicht kleckern, sondern klotzen. Dass beides geht, zeigt Ramona Hess mit ihrem Hocker ‹Leftovers›. Er besteht aus Holzabschnitten, die in der Fabrikation keine Verwertung mehr finden. Ein Hocker setzt sich aus 100 Teilen zusammen, acht Würfel ergeben ein Stuhlbein. Trotzdem entsteht nicht der Eindruck von Patchwork, denn die präzise Verarbeitung macht aus Einzelteilen eine Einheit. Das gelingt durch die materialschonenden Verbindungen, die das heimliche Herzstück des Objekts sind. Ramona Hess verzichtet zugunsten der Kreislauffähigkeit auf Leim und Schrauben. Stattdessen setzt sie auf Holzschweissen, wobei Dübel durch Rotation in Schwingung gebracht werden. Die entstehende Hitze «verschweisst» die Steckverbindung.
Für die Produktion der Unikate arbeitet Hess mit Nyfeler Holzwaren zusammen. In der Produktion fallen dort regelmässig Abschnitte im gleichbleibenden Format an. Dies ermöglicht trotz des hohen Grads an Handarbeit eine Standardisierung des Entwurfs. Reststücke und Holzabfälle können holzverarbeitende Betriebe auch mit sorgfältiger Materialplanung nicht gänzlich vermeiden. Wo der Lagerraum zu knapp ist oder die Abschnitte für eine Weiterverarbeitung zu klein sind, wird daraus meist Brennholz. Jährlich werden in der Schweiz circa fünf Millionen Kubikmeter Holz geerntet, aber rund zehn Millionen Kubikmeter verbraucht. Das macht Restholz zu einer wertvollen Ressource.
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Zurzeit schlagen gleich mehrere Projekte von jungen Designern in diese Kerbe. Da gibt es den Hocker ‹Briket› von ECAL-Absolvent Renaud Defrancesco: Aus Spänen gepresst, lassen sich die neun Beine nach und nach wie Pellets verheizen. Oder die ‹re:collection› von Salomon Elsler, der aus schädlingsbefallenem, üblicherweise nur schwer verwertbarem Holz ebenfalls Hocker herstellt.
Ramona Hess ist ausg...
Ein Hocker zum Klotzen und Kleckern
Einfallsreiche Resteverwertung: Ramona Hess stapelt Holzabfälle zum materialsparenden Hocker ‹Leftovers›.
12.07.2025 08:00