Die Verkrempelung der Welt. Zum Stand der Dinge (des Alltags) von Gabriel Yoran Fotos: Suhrkamp Verlag

Die Moral der Dinge

Selten macht ein Sachbuch so viel Spass wie ‹Die Verkrempelung der Welt› von Gabriel Yoran. Lustvoll folgt es den Regeln, nach denen unsere Alltagsprodukte gestaltet werden. Und ruft zu Widerstand auf.

Die edition suhrkamp zaubert seit 1963 Regenbogen in die Bücherregale. Willy Fleckhaus gestaltete die Taschenbuchreihe mit immergleicher Schrift und in 48 Farbtönen von Violett bis Dunkelrot. Immer, wenn ich diesen Designklassiker sehe, freue ich mich, dass es sie noch immer gibt. Lesen tue ich die Bücher nur selten, denn als Halbwissender verstehe ich sie meist nur halb. Das neue Suhrkamp-Bändchen ‹Die Verkrempelung der Welt› macht einiges anders. Schon im Titel sprüht der Witz, mit dem uns Gabriel Yoran die nächsten 185 Seiten unterhalten wird. Der Untertitel ‹Zum Stand der Dinge (des Alltags)› macht klar, dass es hier nicht um einen hochtrabenden Hochschuldiskurs geht, sondern um Alltägliches. Schliesslich das Cover: Es besteht aus Silberkarton. Der Autor glaubt noch an die Verantwortung von uns Konsumierenden. Und erklärt uns die Ursachen, Mechanismen und Anreizsysteme, die es uns so schwer machen, dieser gerecht zu werden. Mit seinem Buch hält er uns tatsächlich einen Spiegel vor. Warum wird alles immer schlechter? Gabriel Yoran, 1978 in Frankfurt am Main geboren, ist Kulturwissenschaftler und Unternehmer. Er schrieb schon über Kochen und Klassische Musik. Aus den Beiträgen seiner Kolumne bei Krautreporter entstand das Buch. «Die Dinge des Alltags sind nicht egal, denn gute Dinge machen gute Dinge mit uns – und schlechte Dinge schlechte.» Bäm! Yoran schafft es, selbst Beispiele von unverständlichen User-Interfaces, von geplanter Obsoleszenz (dem absichtsvollen Verschleiss) von Produkten und von «nostalgischen Markenmärchen» lustvoll zu schildern. Warum gibt es keinen linearen Fortschritt der Dinge? Warum werden die Produkte, die wir tagtäglich brauchen, immer schlechter – und das zumeist noch absichtlich? Solche Fragen stellt das Buch. Und es gibt Antworten. Nicht die Dinge selbst seien das Problem, sondern «die falschen Anreize, immer wieder neu...
Die Moral der Dinge

Selten macht ein Sachbuch so viel Spass wie ‹Die Verkrempelung der Welt› von Gabriel Yoran. Lustvoll folgt es den Regeln, nach denen unsere Alltagsprodukte gestaltet werden. Und ruft zu Widerstand auf.

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