Hiesige Produkte entstehen oft in Sozialeinrichtungen – wie manche Stücke von Tale Designstudio, die von der Stiftung MBF hergestellt wird. Foto: Guillaume Musset
Die Debatte um Inklusion
Sozialinstitutionen bieten oft Handarbeit, die anderswo zu teuer ist. Zahlen zur Arbeitssituation von Menschen mit Behinderungen fehlen jedoch. Dies zeigt: die Schweiz hat in Sachen Inklusion Nachholbedarf.
Mirjam Rombach, Susanna Koeberle
19.01.2026 07:59
In der Schweiz fühlen sich gemäss einer Studie von Pro Infirmis vier von fünf Menschen mit Behinderung ausgegrenzt. Das zeigt: Inklusion betrifft zwar sämtliche Aspekte des Alltags, ist aber alles andere als selbstverständlich. Darüber wird derzeit auch im Bundesrat debattiert.
Die im September 2024 eingereichte Inklusionsinitiative fordert die effektive Gleichstellung, Teilhabe, Selbstbestimmung und Assistenz für Menschen mit Behinderung. Der Bundesrat hat im vergangenen Sommer einen indirekten Gegenvorschlag in die Vernehmlassung geschickt. Die Kritik des Initiativteams: Wichtige Lebensbereiche wie Arbeit oder Bildung fehlen darin. Drei Viertel aller Menschen mit Behinderung würden vom neuen Gesetz ausgeschlossen. Zudem dürften sie noch immer nicht frei wählen, wie und wo sie wohnen.
Die Schweiz hat die von der UNO lancierte Behindertenrechtskonvention (BRK) erst 2014 ratifiziert. Damit hat sie sich für eine inklusive Gesellschaft ausgesprochen. Gemäss UNO-Ausschuss wird jedoch viel zu wenig unternommen, um Betroffene vor Diskriminierung zu schützen – auch auf rechtlicher Ebene. Dies zeigt sich in Sachen Arbeit: Obwohl dem Branchenverband der Dienstleister für Menschen mit Behinderung (Insos) mehr als 1100 Organisationen angehören, die 67 000 Menschen Zugang zu Arbeit ermöglichen, gibt es kaum Literatur zu deren Arbeitsbedingungen. Auch verlässliche Zahlen fehlen.
Eine Umfrage aus dem Jahr 2017 ergab Stundenlöhne zwischen null und 30 Franken, wobei die Hälfte aller beteiligten Institutionen zwischen 1 Rappen und 10 Franken pro Stunde zahlten. Die niedrigen Löhne liegen einerseits darin begründet, dass die Institutionen sich nur in Nischenbereichen positionieren können, wirtschaftlich aber funktionieren müssen – denn sie haben die Löhne für die Menschen in den Werkstätten wie auch diejenigen für Geschäftsleitung, Unterhalt oder Marketing durch den Verk...
Die Debatte um Inklusion
Sozialinstitutionen bieten oft Handarbeit, die anderswo zu teuer ist. Zahlen zur Arbeitssituation von Menschen mit Behinderungen fehlen jedoch. Dies zeigt: die Schweiz hat in Sachen Inklusion Nachholbedarf.
19.01.2026 07:59