Patrick Reymond, Aurel Aebi und Armand Louis im Treppenhaus ihres Moïtels in La Neuveville. Fotos: Anja Schori

Wenn Geld 
keine Rolle spielt

Briefbox für 12000 Franken und lederne Hängematte: Atelier Oï arbeitet auch für nobelste Marken. Die Designer im Gespräch über Form und Preis, Marke und Image, Material und Haltung.

Bulgari, Louis Vuitton, Hieronymus – Atelier Oï entwirft unter anderem für exquisite Marken. Damit macht sich das Designbüro aus La Neuveville nicht nur Freunde: In der Rückschau auf die Ausstellung ‹100 Jahre Schweizer Design› des Museums für Gestaltung Zürich schrieb die NZZ über die Hängematte und den Hocker von Atelier Oï für Louis Vuitton: «Wenn hundert Jahre Tüfteln, Forschen und Entwickeln im Luxus-Schnickschnack gipfeln, fragt man sich unwillkürlich: Wars das jetzt?» Tatsächlich ist das Verhältnis von Luxus und Industrial Design paradox: Luxus fokussiert auf das Exklusive, Industrial Design dagegen auf die grosse Stückzahl.
Zwar sind zurzeit weniger Bling-Bling und goldglänzender Lack gefragt als Manufaktur und Handwerk. Ist es ebendieser Zugang über das Material, der das Kollektiv für die Luxusindustrie interessant macht? Wie geht Atelier Oï beim Entwerfen von Luxusobjekten vor? Welche Auftragsbedingungen gelten? Und welche Haltung nehmen sie zur Luxusindustrie ein? Ein Gespräch mit Armand Louis und Patrick Reymond in der Cafeteria des Moïtels, ihres Ateliergebäudes am Bielersee.
Form und Preis
Haute Couture zum Schreiben: Spitzer, Tintenfass und Brieföffner, entworfen von Atelier Oï für Hieronymus, eine neue luxuriöse Schweizer Papeteriemarke. Ihr Sortiment koppelt puristische, klassische und eklektische Elemente zu einem schlichten Gesamtkonzept. Verkauft werden die Schreibwaren online und in einem edlen Lokal an der Zürcher Bärengasse. Dort, wie auch im Onlineshop, gibt es keine schillernden Oberflächen und Katzengold, sondern satte Schlichtheit. Der silberne Brieföffner kostet 1600 Franken, eine Briefbox aus anthrazitfarbenem Horn 12 000 Franken und der Spitzer aus Bronze 620 Franken – alles wunderschöne Dinge, die zeitgemässe Ästhetik mit Handwerkskunst verbinden.
Hieronymus verkauft alltägliche Dinge als Kunstobjekte. Wie...
Wenn Geld 
keine Rolle spielt

Briefbox für 12000 Franken und lederne Hängematte: Atelier Oï arbeitet auch für nobelste Marken. Die Designer im Gespräch über Form und Preis, Marke und Image, Material und Haltung.

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