Wolfgang Weingart, Q, Entwurfsvarianten für Umschlag der Zeitschrift Design Quarterly, 1995, Xerografie, Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung, Foto: U. Romito, © ZHdK Fotos: zVg

Weingart Typografie

Er gilt als derjenige, der den Raster aufbrach, die Buchstaben tanzen liess, das Satzbild neu organisierte: Wolfgang Weingart hat die Typografie Schweizer Herkunft und strenger Machart revolutioniert. Das Museum für Gestaltung Zürich zeigt, wie das ging.

Er gilt als derjenige, der den Raster aufbrach, die Buchstaben tanzen liess, das Satzbild neu organisierte: Wolfgang Weingart hat die Typografie Schweizer Herkunft und strenger Machart revolutioniert. Und damit weit über die Landesgrenze und über Typografen-Generationen hinweg gewirkt. Das Museum für Gestaltung Zürich widmet seinem Werk nun eine Ausstellung. Sie profitiert von einer grosszügigen Schenkung, die der 1941 geborene Weingart der Grafischen Sammlung machte. Ebenso wie von einem darauf aufbauenden Nationalfonds-Forschungsprojekt, das die Kuratorin der Sammlung Barbara Junod leitete. Der Weg zur Typografie beginnt für Weingart an der Merz-Akademie, an die er mit Siebzehn kommt und zwei Jahre verbringt. Dort lernt er das Drucken mit Linol- und Holzschnitt kennen. Und dort, in der Werkstatt, begegnet er das erste Mal dem Bleisatz und der ungeahnten Freiheit, die sechsundzwanzig Lettern darstellen. Es folgt eine Lehre als Schriftsetzer in Stuttgart, die Schweizer Typografie bekommt Bedeutung: «Sie war für mich der richtige Weg bei der Suche nach etwas anderem», formuliert er in seiner Autobiografie, die 2000 erschien und jetzt neu aufgelegt wurde. Diese Suche betreibt er vor allem in eigenen Arbeiten. Hier ist angelegt, was Weingarts Werk auszeichnet: das freie Experiment, das auch von einem auf den Boden fallengelassenen Setzkasten mit Berthold-Akzidenz Grotesk-Typen ausgehen kann. Das Interesse am Prozess und seinen Spuren, die zufällig entstehen. Aber auch die endlosen Variationen, folgt man einer Idee forschend. Selbst die Grundlagen – Kreis, Linie, Fläche, Weissraum – bieten Raum fürs Experiment, etwa wenn Weingart die Blei- und Messinglinien aus dem Setzkasten zu verbiegen beginnt. Eine Revolte gegen die Linie. Ebenso widerständig ist das Resultat, wenn er selber Buchstaben schneidet oder sich dem Buchstaben M aus Adrian Frutigers Univers widmet, ihr eine man...
Weingart Typografie

Er gilt als derjenige, der den Raster aufbrach, die Buchstaben tanzen liess, das Satzbild neu organisierte: Wolfgang Weingart hat die Typografie Schweizer Herkunft und strenger Machart revolutioniert. Das Museum für Gestaltung Zürich zeigt, wie das ging.

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